Der "Tatort: Die letzte Wiesn" mit den Münchner Ermittlern Batic und Leitmayr ist ein Krimi, der ein bisschen wie das weltgrößte Volksfest selbst ist: laut, vulgär, lustig – und am Ende tief traurig.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren lief dieser "Tatort" erstmals (Reichweite: 10,6 Millionen Zuschauer). Kurz nachdem zur neuen Wiesn-Saison "o'zapft" wurde, war und ist der Krimi aus der Hölle der lebenden Bierleichen damals wie jetzt treffend platziert. Wahrscheinlich ist "Die letzte Wiesn" sogar einer der wenigen neueren "Tatorte" mit Kultpotenzial. Der Regisseur Marvin Kren drehte zwischen Festzelt, Fahrgeschäft und Sanitätsstation und fing authentisches Volksfestflair ein, das kein amerikanischer Special-Effects-Experte so lebensnah hätte hinzaubern können.

Dass ausgerechnet der Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) auf dem Weg in den Urlaub in der U-Bahn-Station über die Leiche stolpern muss, die alles in Gang setzt, ist der schwächste Einfall eines ansonsten überzeugenden Drehbuchs (Stefan Holtz und Florian Iwersen). Da der verstorbene italienische Sauftourist mit dem Betäubungsmittel GHB vergiftet wurde, muss der Augenzeuge Leitmayr jedenfalls zurück nach München, um gemeinsam mit dem Kollegen Batic (Miroslav Nemec) zu klären, wer im (fiktiven) Festzelt "Amperbräu" den Bierseligen Tropfen in die Maß mischt.

"Es geht um einen kollektiven Zustand der Vergiftung – ob das Gift nun Alkohol, GHB, Gier oder Vergnügungssucht ist", bringt der Regisseur Marvin Kren die Essenz des wahrscheinlich promillereichsten "Tatorts" aller Zeiten auf den Punkt. Im Ergebnis ist sein Wiesn-Krimi ein bisschen wie das Volksfest selbst: wild, laut, vulgär, unbeherrscht, lustig und bedrohlich. Und am traurigen Ende darf man sich sogar ein wenig verkatert fühlen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst