In dem Krimi-Zweiteiler "Tod im Internat" geht es um Mord und ein halbes halbes Dutzend anderer großer Gesellschaftsthemen. Das macht es unnötig kompliziert.

Die Welt eines abgelegenen Elite-Internats, politische Ränkespiele alter Ost-West-Seilschaften, westdeutsche Altlinke und ihre gewalttätige Vergangenheit und natürlich einige Eltern-Kind-Geschichten. Der von der Journalistin Frauke Hunfeld geschriebene Zweiteiler "Tod im Internat" erzählt viele Geschichten, wirkt dabei aber ein wenig überfrachtet. Man muss sich konzentrieren, um in diesen 210 Minuten deutschem Politthriller nicht den Faden zu verlieren. Nadja Uhl spielt eine "undercover" als Lehrerin in ein Internat eingeschleuste LKA-Ermittlerin, die das Verschwinden der Tochter ihres zukünftigen Chefs (Joachim Król) aufklären soll.

Sophie (Emma Drogunova), die Tochter des designierten LKA-Präsidenten (Król), verschwindet aus dem Elite-Internat "Erlengrund" in der Nähe Frankfurts. Polizistin Isabell Mosbach (Uhl), die selbst früher das Internat besuchte, wird als neue Sportlehrerin in der Lehranstalt etabliert. Über ihren Kollegen Julian Sellinger (Hanno Koffler) hält sie Kontakt zur ermittelnden Behörde. Eigentlich war die alleinstehende LKA-Ermittlerin gerade mit der Nachlassverwaltung ihrer Mutter beschäftigt. Der Trip in die eigene Vergangenheit löst in Isabell Gefühle und Erinnerungsbilder aus, die sie zeitweise verstören. Vor allem, als sie bemerkt, dass in "Erlengrund" auch heute wieder junge Leute mit ihrem Leben kämpfen. Bald gibt es einen Todesfall an der Schule, der die Ermittlungen noch komplizierter macht ...

Gleich mehrere kriminalistische Rätsel

Nein, um Missbrauch von Schülern geht es nicht in diesem Film – dafür aber um ein halbes Dutzend anderer großer Gesellschaftsthemen, mit denen im anspruchsvoll anmutenden deutschen Kriminalfilm gerne gespielt wird. Auf einer zweiten Ebene hinter diesen Handlungssträngen geht um die Last der unausgesprochenen Vergangenheit, die auf künftige Generationen übertragen wird und auf ihnen lastet. Und es gibt gleich mehrere kriminalistische Rätsel zu lösen, die Isabell Mosbach und Julian Sellinger ins Schwitzen bringen.

Das alles wird solide und von vielen guten Schauspielern dem Zuschauer nahegebracht. Dennoch könnte man beim Zuschauen auf die Idee kommen, hier habe jemand sehr lange Karteikarten mit Handlungssträngen hin und hergeschoben, um sehr viele Ideen und Themen irgendwann halbwegs rund zu bekommen.

Drehbuchautorin Frauke Hunfeld, die seit den 90er Jahren hauptberuflich als Korrespondentin in Leipzig, New York und Berlin für den "Stern" arbeitet, hat sich mit ihrem Thriller-Rundumschlag tatsächlich ein bisschen zu viel vorgenommen. Der mit 210 Minuten lang wirkende Thriller (Teil zwei folgt am Mittwoch, 11. Oktober 2017, 20.15 Uhr) fordert die kriminalistische Intelligenz des Zuschauers, er regt zum Mitdenken an, wirkt aber unterschwellig doch ein wenig künstlich.

Sehr viel stimmungsvoller wird das rätselhafte Abhandenkommen eines Mädchens ab Sonntag, 22. Oktober 2017 (21.45 Uhr), im Ersten zelebriert. Hans-Christian Schmids Miniserie "Das Verschwinden" mit Julia Jentsch zeigt, wie man mit sehr viel weniger Themenalarm soghaftes Erzählen um ein Rätsel herum erzeugt. Wahrscheinlich neben "Babylon Berlin" die deutsche Serie des Jahres 2017.


Quelle: teleschau – der Mediendienst