Es ist eine Räuberpistole aus den letzten Tagen der DDR. Am Ende fällt die Mauer, man hört die Menge rufen: "Wir sind das Volk". Doch bis dahin gab es viele Opfer, Mielkes Stasi bespitzelte die Menschen. Oder schützte sie – wie jenes Häuflein RAF-Angehöriger, die man nicht gerade hinter Blümchengardinen in der DDR vermutet hätte. Versehen mit Decknamen und Scheinberufen wie Laborantin oder Krankenschwester. Angeblich wurden sie auch in den Dienst der Stasi gestellt. Der ZDF-Film "Verräter – Tod am Meer" (frei nach dem Roman "Innere Sicherheit" von Christa Bernuth, 2006) verrührt diesen unbewiesenen Umstand zu einem komplizierten Komplott. Die Grenzen verlaufen quer durch die Reihen. Wem kann man überhaupt noch trauen?

Zu Beginn sieht noch alles nach einem spannenden Durchschnittskrimi aus. Ein Gewitter ballt sich über der Ostsee zusammen, Donner grollt, Blitze zucken. Kurz danach teilt die Pathologin mit, dass die Frauenleiche, die man gefunden hat, "zwei bis drei Tage" im Wasser lag, ein Schlauchboot daneben. Ein Projektil hatte sie in die Stirn getroffen und war wieder ausgetreten. Nach dem Kaliber zu schließen, muss es eine Waffe der DDR-Grenzschützer gewesen sein.

Einer dieser Grenzschützer ist Martin Franzen, der allerdings über jeden Verdacht erhaben ist – auch über den, Flüchtlinge zu decken. Sein Kollege Lars Janson (Marek Harloff) käme für so was schon eher in Frage. Mutig sagt er dem bedrohlichen Vorgesetzten die Meinung ins Gesicht. Er wird dafür alsbald vom Dienst suspendiert. Martin dagegen, den Albrecht Schuch mit einer erstaunlichen Gratwanderung zwischen Kadavergehorsam und Dissidenten-Neigung spielt, hat einen zuverlässigen Freund: Gerd (Christian Redl) hat eine arg verschrobene Freiheitsphilosophie, aber offenbar auch einen Draht zu den entscheidenden Stasi-Stellen. Wenn weder Mond noch Sonne sichtbar seien, dann müsse man eben ein Feuer machen, ist eine der Weisheiten, die der Alte von sich gibt. Die Flucht selbst wird im Film stets nur vorsichtig umschrieben.

Dass der Grenzpolizist aber fliehen will, wird bald klar. Zumal er auf eine jener RAF-Emigrantinnen trifft, die von der Stasi zu miesen Projekten verpflichtet werden. Diesmal soll es gar um die Ermordung eines West-Bankers gehen. Vorbild ist offensichtlich der Ende November 1989 (!) ermordete Alfred Herrhausen. War er nicht für die Entschuldung der Dritten Welt? fragt treuherzig Freund Martin die RAF-Genossin, der er sogleich in Liebe verfällt. Schon, sagt die. Aber der DDR habe das nicht gefallen – man wolle sich den eigenen Einfluss nicht nehmen lassen.

Dieser Plot steht auf eher schwachen Füßen, wenngleich die Film-Idee der RAF-Instrumentalisierung und der daraus resultierende Fluchtgedanke einiges für sich hat. Die Flucht selbst, wie sie Martin und die RAF-Aussteigerin unternehmen, übrigens letztlich auf Anraten einer von Jule Ronstedt erfrischend gespielten Pastorin, ist nun doch das Beste an diesem allzu doppelbödigen Vergangenheitsbewältigungsfilm. Es geht durch grüne Kornfelder und über sanfte Hügel. Im roten Lada wird mancher Song zum Besten gegeben. Albrecht Schuch und Hannah Herzsprung machen eine Bonnie-und-Clyde-Nummer aus ihrer Flucht, die alle Mielke-Machenschaften vergessen lässt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst