"Tatort: Reifeprüfung"

Skandal-"Tatort" fliegt aus dem Programm: Schauspielerin zeigt sich empört

09.06.2026, 14.21 Uhr
Die ARD streicht den „Tatort: Reifezeugnis“ dauerhaft aus ihrem Programm. Während die Entscheidung einerseits auf Zustimmung stößt, zeigt sich eine Schauspielerin aus dem Film empört.
Judy Winter spricht.
Judy Winter spielte selbst im umstrittenen "Tatort" mit.  Fotoquelle: picture alliance / SZ Photo | Rainer Unkel

"Tatort: Reifezeugnis" (1977) ist nicht mehr im ARD-Programm zu sehen und auch in der Mediathek wird man den Film vergebens suchen. Eine NDR-Sprecherin erklärte der "Bild"-Zeitung: ""Tatort: Reifezeugnis" ist vom NDR bereits im Jahr 2024 bis auf Weiteres für die Ausstrahlung in der ARD gesperrt worden und wurde auch auf allen Streaming-Plattformen offline gestellt." In seiner ursprünglichen Form soll der Film für immer aus dem Programm geflogen sein.

Skandal-"Tatort" thematisierte Liebesbeziehung zwischen Schülerin und Lehrer

In dem "Tatort"-Klassiker "Reifezeugnis" von 1977 steht nämlich die Beziehung der Schülerin Sina zu ihrem Lehrer im Mittelpunkt. Sina wurde von der damals 15-jährigen Nastassja Kinski gespielt. Den Lehrer spielte der damals 32-jährige Christian Quadflieg (78, † 2023). Die Regie des Klassikers hatte Wolfgang Petersen (81, † 2022) inne, der 1981 mit "Das Boot" zu Weltruhm kam.

Die Entscheidung, die Ausstrahlung der Produktion auszusetzen, steht im Zusammenhang mit der Debatte, um ältere Filme, in denen Minderjährige problematische Szenen spielten. Dabei war es Nastassja Kinski selbst, die die Debatte auslöste: Im Film "Falsche Bewegung" (1975) von Wim Wenders ist die damals 13-jährige Kinski in einer Szene mit freiem Oberkörper zu sehen.

Unangemessene Dreharbeiten beim "Tatort"

Die heute 65-Jährige hatte zuletzt öffentlich gemacht, dass sie die Dreharbeiten damals als unangemessen empfunden hatte. "Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war", sagte sie der Süddeutschen Zeitung in einem Interview. Seit inzwischen 15 Jahren bittet sie Wenders darum, die Nacktszene aus dem Film zu schneiden. Wim Wenders hatte dies verweigert. Nach großem medialen Druck hat der Regisseur, den Film nun vorerst zurückgezogen.

In Bezug auf die "Tatort"-Folge hatte auch die Kinderschutz-Organisation "Innocence in Danger" schon vor Jahren von "Missbrauch" gesprochen.

"Tatort: Reifezeugnis" – Debatte kommt "zu spät"

Ganz anders sieht die Entscheidung die Schauspielerin Judy Winter, die in "Reifeprüfung" die Ehefrau des Lehrers spielte. Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte die 82-Jährige, dass sie es "indiskutabel" finde, den Film nicht mehr zu zeigen. Es handle sich um eine "wirklich gute" Produktion. Außerdem sei der Regisseur Petersen damals "sehr behutsam Szene für Szene" mit Kinski durchgegangen. Die Diskussion um die Produktion überrasche sie und kommt schlicht "zu spät".

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