Rubin und Karow werden in Lügen, Verleumdungen und Vorurteile verstrickt.

Auf einem Plastikliegestuhl in einer Berliner Datsche liegt eine schwarze, verkohlte Leiche: Enno Schopper. Der Lehrer war vor wenigen Tagen erst vom Unterricht suspendiert worden, weil er einen Schüler zu sexuellen Handlungen verführt haben soll. Ein Tatmotiv? Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) glauben das zuerst nicht, aber Ennos Mann Armin Berlow (Jens Harzer) belehrt sie: "Fragen Sie doch mal die Kids im Kiez, was man so mit Schwulen hier macht", sagt der. Denn diese Kids, die haben vor drei Jahren schon mal das Auto des schwulen Paares angezündet. "Erst die Schwuchtelkarre, dann die Schwuchtel", stand damals als Schmiererei im Lehrerzimmer.

Könnte also alles ganz einfach sein. Doch schnell wird es kompliziert. Denn einer von diesen Kids war der Schüler Duran Bolic (Justus Johanssen), Sohn jugoslawischer Einwanderer wie so viele im Viertel. "80 Prozent unserer Schüler haben einen Migrationshintergrund", so der Schulleiter. "79 Prozent von ihnen sind homophob." Doch dieser Duran, der hat bei Enno und Armin gelebt, seit ihn Enno vom Alkohol und seinen "Freunden" weggeführt hat. Und genau um diesen Duran ging es bei den Vorwürfen, denen der Lehrer sich ausgesetzt sah. Was für eine seltsame Dreierkonstellation ist das also, die da in einer schicken Berliner Altbauwohnung zusammengelebt hat?

"Die waren die heilige Familie", sagt Durans Freundin Jasna Nemec (Lisa Vicari) über dieses Paar und seinen Ziehsohn. Doch was sollte dieses Leben, nach alldem, was passiert war mit dem Auto und den Drohungen? "Schwule Normalität?", fragt Karow. "Die soll's geben, ja", antwortet Berlow.

Auf Dauer, da verstricken sich alle immer tiefer in Widersprüche

Doch normal ist in diesem Fall erst mal so gar nichts. Denn nicht nur, dass Jasna schwanger ist, in der Laube direkt am Tempelhofer Feld, diesem "Meer inmitten der Stadt", wie Enno die riesige freie Fläche immer genannt hat, findet Karow auch noch Blutspuren. Und auf Dauer, da verstricken sich alle immer tiefer in Widersprüche, auch Karow, der eines nachts bei Enno in der Wohnung sitzt und ihm zuhört. "Seit Ennos Tod ist hier alles so still. Und dann höre ich Dinge, die ich nicht hören will. Ich höre, wie er anfängt zu flackern. Ich höre, wie er brennt."

Entgleitet Karow jetzt dieser Fall? Kommt er dem Hauptverdächtigen zu nah? Diesem Armin Berlow, den Jens Harzer auf seine so unerträgliche Art und Weise spielt, irgendwie emotional gelähmt, lethargisch, ständig will man ihn rütteln oder ihm eine Ohrfeige verpassen. Doch das ist nur der vordergründige Berlow, denn hinter all dem scheint ein Plan zu stecken, immer wieder tut dieser Mann Dinge, die darauf hindeuten, dass er etwas zu tun haben könnte mit dem Mord an seinem Mann. Immer wieder wirkt er strategisch, statt trauernd.

Doch nicht nur damit hat es Nina Rubin zu tun, auch in ihrer Familie ist noch lange nicht alles im Reinen, dabei würde sie so gerne wieder ein normales Leben führen. Kommt zu allem Überdruss noch Kollege Karow dazu, denn der spielt genauso Spielchen wie scheinbar alle in diesem Fall, mit dem Verdächtigen, der Pathologin, eigentlich mit jedem.

Was ist hier eigentlich los?

"Amour Fou" ist ein Tatort, der typisch ist für dieses Berliner Ermittler-Duo, bei dem die verwirrten Blicke zum Standard-Repertoire gehören – genauso wie beim Zuschauer. Zu oft muss der sich fragen, was hier eigentlich los ist, warum sich diese Menschen so verhalten wie sie es tun. Denn erst wird dieser Fall wirr, dann wird er glasklar und dann hat man wieder Fragezeichen in den Augen.

Dabei ist all das gar nicht schlecht konstruiert – und schlecht gespielt erst recht nicht. Und doch ist "Amour Fou" am Ende nicht nur ein anstrengender Tatort, sondern vor allem einer, der einen ratlos zurücklässt. Für eine Krimi-Reihe wie diese ein unbefriedigendes Gefühl.