Borowski und Brandt ermitteln in Kiel und im Netz – und gehen bis an ihre Grenzen.

Es sind Szenen wie aus einem Ego-Shooter: Ein junger Mann, bewaffnet mit einer Pistole und verkleidet mit einer Wolfsmaske, dringt in ein Fitnessstudio ein und beginnt, auf Menschen zu schießen. Zuerst auf eine junge Frau, dann auf einen Mann hinter dem Empfangstresen. Schließlich geht er in den Keller, durch die Umkleiden, wo er endlich sein Opfer findet: Jürgen Sternow. Ihn richtet der Mann, ohne lange zu zögern, hin.

Für Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) kein einfacher Fall, war Sternow doch Leiter der Spezialabteilung Cyber-Kriminialität des LKA. Und so verwundert es nicht, dass schon kurze Zeit später LKA-Leiter Eisenberg (Michael Rastl) und Staatsanwalt Austerlitz (Jochen Hägele) auftauchen, die den Fall an sich reißen wollen.

Stand der Mord im Zusammenhang mit Sternows Ermittlungen? Und wenn ja: Was ist das Motiv? Oder hatte er sich in einem anderen Zusammenhang Feinde gemacht? Seine Tochter Julie (Philine Stappenbeck) glaubt das nicht, ein ganz normaler Mann sei ihr Vater gewesen, sagt sie zu Borowski. "So wie sie: alt und frustriert."

Durchaus witzige Einfälle

Was für Borowski folgt, ist eine Lehrstunde in Sachen Technologie. Und was für Brandt folgt, ist eine Rückkehr in ihr altes Fach als Hackerin. Beide versuchen, im LKA-Dezernat 23, das aus den Ermittlern Cao (Yung Ngo) und Dennis (Mirco Kreibich) besteht, durchzusteigen. Und dabei hatte Regisseur David Wnendt durchaus witzige Einfälle, etwa wenn eben dieser Dennis Borowski als grobpixeliger Avatar das "Darknet" erklärt, die dunkle Seite des Internets, auf der auch Waffen, Drogen und illegale Dienstleistungen gehandelt werden.

Viel häufiger aber belästigt "Borowski und das dunkle Netz" den Zuschauer mit allerlei Andeutungen über dieses ach so böse System, ohne wirklich konkret zu werden. Vielleicht wollten Wnendt und sein Drehbuch-Kollege Thomas Wendrich den Zuschauer schlicht nicht überfordern, doch wenigstens die vorurteils- und klischeebelasteten Charaktere hätten sie sich eigentlich sparen können. 2017 sollten wir weiter sein.

Szenen an der Grenze des Erträglichen

Und dann gibt es da auch noch all die Szenen an der Grenze des Erträglichen, Szenen voller Widerwärtigkeiten, voller Gewalt, voll Ekel, die die Warnung nötig machen, diesen Tatort nicht beim Essen zu schauen. Und ganz am Ende, da driftet auch dieser Krimi leider ins Alberne ab, da wird aus der zwischen Aufklärung und Kulturpessimismus pendelnden Handlung ein Possenspiel, das Kiel so bis jetzt nicht nötig gehabt hätte. Bis auf eine Ausnahme: die finale Pointe. Denn die ist richtig gut.