Eigentlich ist es naheliegend, dass ein Tatort mit dem Titel "Bausünden" ausgerechnet in Köln spielt. Weniger naheliegend ist es, dass er mit einer Sex-Szene beginnt – mit einer deftigen noch dazu. Wir sind zu Gast in einem gediegenen Hotelzimmer – genauer: im Bad – und werden Zeuge, wie zwei Menschen es sich gerade unter der Dusche gemütlich machen. Wobei es "gemütlich" nicht ganz trifft. Offenbar haben beide Vergnügen an der etwas härteren Gangart, was der Frau jedoch zum Verhängnis wird. Denn ihr Sexpartner packt etwas zu hart zu – und bringt sie in der Dusche um. Wer die beiden sind? Das wird lange ein Geheimnis bleiben.

Etwas anderes allerdings klärt sich ziemlich schnell auf. Denn diese Bausünden, um die es da in Kaspar Heidelbachs 13. Kölner Tatort geht, die stehen nicht am Rhein, sondern in Katar, wo gerade etliche Bauprojekte für die Fußball-WM 2022 entstehen. Eins dieser Projekte: ein Hotel, das vom Kölner Architekturbüro Könecke & Partner geplant wird. Bis das ins Spiel kommt, braucht es jedoch eine zweite Leiche – und von der kennen wir auch den Namen: Marion Faust, Angestellte in einem Kölner Nobelhotel. Sie hatte kurz vor ihrem Tod mehrfacht versucht, eine Susanne Baumann zu erreichen, Assistentin von Architekt Könecke (Julian Weigend) und Ehefrau von dessen Bauleiter Lars Baumann (Hanno Koffler). Und genau der gerät schnell in Verdacht.

Das Problem daran: Baumann – ein ehemaliger Soldat mit Afghanistan-Erfahrung – mag vielleicht eine posttraumatische Belastungsstörung haben, aber gut zu Fuß ist er immer noch. Was er Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) auch gleich beweist, indem er auf dem Weg zum Verhör aus ihrem Wagen türmt. Bei voller Fahrt.

Es beginnt eine recht muntere Dreiecksgeschichte zwischen einem Verdächtigen, einer Toten und einer Verschwundenen, denn Baumanns Ehefrau Susanne (Jana Pallaske) ist zwar angeblich im Urlaub, nur glauben will das so recht niemand. Schon gar nicht Baumann selbst. Wobei es eigentlich eine Vierecksgeschichte ist, denn Susannes Schwester Daniela (ebenfalls Jana Pallaske) mischt auch noch mit. Klingt verwirrend? Keine Sorge, ist es eigentlich nicht.

Irgendwie altmodisch

"Bausünden" ist gleich aus mehreren Gründen ein bemerkenswerter Tatort. Zunächst wäre da das Jubiläum des Kölner Duos Ballauf/Schenk. Die Dreharbeiten zu diesem Krimi starteten im März 2017 – genau 20 Jahre nach der ersten Klappe zu "Willkommen in Köln". Damals Regisseur: Kaspar Heidelbach. Und auch Produzentin Sonja Goslicki war 1997 schon im Einsatz.

Dazu kommt, dass "Bausünden" nicht nur, was die Krimi-Architektur angeht – der Fall ist klassisch konstruiert und setzt auch bei der Auflösung auf klassische Rätsel und Schemata – irgendwie altmodisch wirkt, er wird auch untermalt von einer Musik, wie man sie lange nicht mehr gehört hat in einem Tatort. Etwas aus der Zeit gefallen wirkt sie, steckengeblieben in den späten 80ern oder frühen 90ern. Sie stammt von: Klaus Doldinger.

Dabei ist "altmodisch" gar keine Kritik, auch Regisseur Heidelbach sagt zu seinem Film: "Der klassische Ermittlungskrimi steht im Vordergrund" – und Dietmar Bär fügt hinzu: "Frank Polosek, der auch bei 'Bausünden' für das Szenenbild sorgte, war schon 1997 mit am Start." Es ist also kein Wunder, dass es ein, sagen wir, zeitloser Krimi ist, den der WDR hier abliefert. Mit allem, was dazugehört.

Was man diesem Tatort nicht abnimmt

Das gilt auch für den Moment, in dem der Fall eigentlich abgeschlossen scheint und der Zuschauer sich fragt, was denn nun 15 Minuten lang noch alles passieren soll. Doch auch dafür haben Regie und Drehbuch ihre Hausaufgaben gemacht. Unaufgeregt und routiniert steuern sie auf einen Showdown zu, dem zwar zu guter Letzt ein wenig die Puste ausgeht, aber das passt irgendwie zu diesen beiden Ermittlern und ihrem langsamen Älterwerden. Nur dass ausgerechnet Architekt Könecke ein derart geschmackloses Haus besitzen soll, das nimmt man diesem Tatort am Ende dann doch nicht ab.