Für einen ganz kurzen Moment gibt es Hoffnung, denn Arash Naderi bewegt sich noch. Einmal noch hebt er den blutverschmierten Kopf von der Straße, und doch müssen Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) am nächsten Tag ausrücken. Naderi ist tot. Brutal zusammengeschlagen und erstickt, direkt vor dem Gelände seines Arbeitgebers, eines Erdgasunternehmens.

Dabei hatte eigentlich alles so gut ausgesehen für ihn. Erst vor wenigen Monaten war er mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland migriert, er hatte Arbeit gefunden, lebte in Sicherheit. Doch in dieser Nacht muss etwas Furchtbares passiert sein.

Etwas Furchtbares befürchten auch einige der Dorfbewohner in der niedersächsischen Provinz, in die es die Hamburger Ermittler Falke und Grosz in diesem Fall verschlägt. Denn das Unternehmen, bei dem Naderi als LKW-Fahrer angestellt war, betreibt Fracking, eine vielfach kritisierte Methode, um Erdgas und Erdöl zu fördern. Die Angst der Bauern: Durch dieses Fracking würden Boden und Grundwasser verseucht und Tiere und Menschen krank.

Falke kann ein ziemliches Arschloch sein

Der eigentliche "Spuk" aber beginnt, als ein paar unerwartete Protagonisten die Bühne betreten: Kinder. Und: ein Mitarbeiter des Bergbau-Amts in Hannover, der den Ermittlern helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen und der sagt: Mit dem Fracking, da "vergiften Sie höchstens ein paar Amöben in tausend Metern Tiefe". Es beginnt eine Spurensuche, in die sich immer wieder Zwischentöne mischen, von den privaten Problemen, die Falke mit sich rumschleppt, etwa.

Dabei vermag es dieser Wotan Wilke Möhring, aus seinem Ermittler alles andere als eine durchgängig sympathische Figur zu machen. Dieser Falke kann ein ziemliches Arschloch sein. Und doch mag man ihn, irgendwie, denn "ein intelligenter Mann wie Wotan trägt den Machismo mit feinem Augenzwinkern vor", so Kollegin Franziska Weisz.

Immer wieder aber bleibt die Kamera auch an ihr hängen, als wollte sie dem Zuschauer damit etwas sagen. Und auch Weisz hat so ihre Momente, die man getrost uncharmant nennen darf. Menschlich eben – und genau dadurch eben auch wieder liebenswert. Und so kompromisslos die beiden im Umgang auch miteinander sind, so gut passen sie dann doch zusammen.

Aber hier ist eben keiner nur nett und keiner nur unausstehlich. Das ganze Dorf wirkt wie eine Zwischenwelt, wenn auch oft düster. "Böser Boden" ist das, auf dem hier ermittelt wird.

Trotzdem ist das Szenenbild mal herrlich romantisch, mal wunderbar drüsch, mal lieblich und mal piefig – so wie Deutschland eben sein kann in der Pampa. Und mittendrin singt die Kölner Band AnnenMayKantereit ihr melancholisch-kratziges "Oft gefragt", in dem es heißt "Zu Hause bist immer nur du", während über anderen Bildern die bedrohliche Atmosphäre der Katastrophe liegt, die viele Menschen durch das Fracking befürchten oder Regisseurin Sabine Bernardi Schauplätze auswählt, "bei denen man denkt: Hier möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen", wie sie selbst sagt.

Eine Prise zu viel erwischt

Leider gibt es aber einen Moment, in dem diese Atmosphäre ins Abstruse abdriftet, in dem "Böser Boden" für ein paar Sequenzen an Zombie-Serien wie "The Walking Dead" erinnert und in denen sich die Ereignisse überschlagen. "Ein Spiel mit den Elementen des Genres" nennt Bernardi das, dabei hätte dieser Tatort den Temposchub, den sie ihm damit offensichtlich verpassen wollte, gar nicht nötig gehabt – Plot und Darsteller hätten diesen Fall auch so getragen.

Anders als im kürzlich ausgestrahlten Frankfurter Tatort "Fürchte dich", der das Horrorgenre konsequent durchgezogen hat, wirkt das Ganze hier wie ein Ausrutscher, Bernardi hat schlicht eine Prise zu viel erwischt. Das ganze Essen hat sie damit zwar zum Glück nicht versalzen, doch auflösen kann sie das alles am Ende auch nicht mehr so richtig. Ein paar Ungereimtheiten bleiben als schlechter Nachgeschmack zurück.