Ein herrlich abstruser Tatort zwischen Spannung und Klamauk.

Es gehört schon ein wenig Drehbuchautoren-Chuzpe dazu, in einen Tatort überhaupt eine Figur einzuführen, die "Lupo, der Schupo" heißt. Und wenn das überhaupt irgendwo möglich ist, dann in Weimar, wo das Ermittler-Pärchen Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ermittelt. Hier taucht dieser Polizist, der von Arndt Schwering-Sohnrey wunderbar einfältig und liebenswert verkörpert wird, das erste Mal im Fall "Der Irre Iwan" von 2015 auf. Jetzt, in "Der scheidende Schupo", steht er im Mittelpunkt.

Lupo, der eigentlich Ludwig Maria Pohl heißt, hat gleich einen ganzen Haufen an Problemen. Eines der größeren: die Frauen. Andrea etwa, die er gerade verlassen hat, und Kriminalkommissarin Kira Dorn, in die er heimlich verschossen ist und nach der er sogar eine seiner Rosen, die er züchtet, benannt hat. Und eigentlich gehört auch die schrullige Olga Kruschwitz (Carmen-Maja Antoni) dazu, aber das weiß Lupo noch nicht.

Und dann gibt es noch ein weiteres, noch größeres Problem, denn Lupo wird sterben. Die zweite – nein: eigentlich sogar schon die dritte – Leiche in diesem Tatort, und da es unfair wäre, mehr darüber zu verraten, wie all diese Menschen aus dem Leben scheiden, kümmern wir uns lieber um die Dinge, über die man reden darf. Die Schauspieler beispielsweise, das Drehbuch – und die Kamera.

Dieser Tatort hat keine Angst vor Humor

Denn Murmel Clausen und Andreas Pflüger haben mit "Der scheidende Schupo" wieder einen Weimarer Tatort geschaffen, den herrlich zu nennen eine Untertreibung wäre. Sie haben einen Krimi zu Papier und durch Regisseur Sebastian Marka auf den Bildschirm gebracht, dem der Spagat gelingt zwischen Spannung und Klamauk, der sich in beidem von Minute zu Minute zu steigern weiß und der im Szenenbild und in der Kameraführung seinesgleichen sucht.

Das Schönste daran: Dieser in jeder Minute inszeniert wirkende Tatort hat keine Angst vor Humor, er traut sich sogar – fast ist das schon Weimarer Tradition –, albern zu sein. Von subtiler Situationskomik über eher schlichten, aber mitreißenden Wortwitz bis hin zu den ausgeklügelten, fast schon altmodischen Figurenkonstellationen, vom feinen Schmunzler bis zum herzhaften Lachanfall bieten diese 90 Minuten wirklich alles, was das Herz eines Krimifans so begehren kann – einige ganz wenige, zum Glück recht kurze Hänger mal ausgenommen.

Grandiose Schauspieler

Dazu kommen die grandiosen Schauspieler, neben den schon genannten wären hier vor allem Rüdiger Klink als völlig gestörter Notar Lothar Brack oder Katharina Heyer als Industriellen-Erbin Desiree Scholder zu nennen, die wirkt wie die böse Prinzessin aus einem Märchen. Und das passt, denn nicht nur die Schönheiten der menschlichen Niederungen oder die Liebe (Dieser Kuss zwischen Dorn und Lessing!) feiert dieser Tatort, sondern auch das Provinzielle – und da passt diese Prinzessin so wunderbar hinein wie alle anderen Figuren.

Und so wirkt "Der scheidende Schupo" zwischen all den seriösen, teilweise bierernsten Krimis im deutschen Fernsehen wie ein Papagei unter Spatzen. Einer, der sich nicht damit zufrieden gibt, still da zu sitzen oder einfach nur nachzuplappern, was andere ihm vorsagen. Dieser Papagei, er gibt Widerworte, er provoziert, er will auffallen – er will auch im vierten Fall anspielen gegen die Erwartungen und die Haltung, Krimis müssten die Wirklichkeit abbilden. Und so künstlich vor sich hergetragen, funktioniert eine solche Haltung. Was für ein Glück!