Wenn Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) eins nicht sind, dann Spaßvögel. Ohnehin muss man sich eigentlich fragen, was ausgerechnet diese beiden nach Köln verschlagen hat, in die Stadt des Karnevals und des Frohsinns. Doch dieser Frohsinn, er ist inzwischen auch ein Milliardengeschäft – und so wie der Deutsche aus allem eine Leistungsschau zu machen vermag, so hat er auch den Gardetanz, der neben Sitzungen, Kneipenkarneval und Umzügen zur fünften Jahreszeit gehört wie das Kölsch zur Stadt, ein Geschäft gemacht.

Der, diese Leistungsschau verkörpert, ist Günther Kowatsch (Herbert Knaup) der Präsident des Karnelvasvereins "De Jecke Aape". Seine Tanzgarde nimmt, obwohl in Köln verpöhnt, an Wettbewerben teil. Und die, die darunter am meisten leidet, ist Tanzmariechen Saskia (Sinja Dieks). Sie schafft das alles – die Proben, die Bewertungen, die Auftritte, den Druck – nur noch mit Hilfe von Medikamenten.

Die aber, die alldem zum Opfer fällt, ist Tanztrainerin Elke Schetter (Katja Heinrich). Sie liegt eines morgens tot im Vereinsheim – zwischen Umkleiden und Requisiten für die Festwagen. Doch vielleicht ist sie gar nicht das erste Opfer? Vielleicht ist das erste Opfer Evelyn Pösel (Stella Holzapfel) gewesen? Sie hat sich vor kurzem das Leben genommen und ist von einer Rheinbrücke gesprungen. Ihr Vater zumindest (Tristan Seith) gibt den jecken Affen die Schuld. "Arschlöcher wie Du verraten den Karneval", wirft er Kowatsch vor – der Druck und die Gier nach Geld und Prestige, die im Verein Einzug gehalten hat, habe seine Tochter in den Selbstmord getrieben.

Intrigen, Neid und übertriebener Ehrgeiz

Ballauf und Schenk ermitteln in einem Umfeld, das sich am besten mit Klüngel beschreiben lässt. Neben dem Wunsch von Kowatsch, seinen Karnevalsverein in die erste Riege zu führen, beherrschen Intrigen, Neid und übertriebener Ehrgeiz diesen Tatort. Da wären die beiden Tänzerinnen Saskia und ihre Rivalin Annika (Natalia Rudziewicz), die um die Rolle als Tanzmariechens buhlen, da wäre die Familie der toten Evelyn, in der es nichts Wichtigeres zu geben als den Karneval. Da wären der Präsident und seine ermordete Trainerin, bei denen es mehr als nur eine Wahrheit zu geben scheint. Jeder mit jedem und jeder gegen jeden. Es ist: unübersichtlich, aber leider auch ein wenig trivial.

Dieser Tatort, er hat von Drehbuchautor Jürgen Werner eine Menge Lokalkolorit mitbekommen – und das, ohne in übliche Karnevals-Klischees abzudriften. Leider aber hat er auch etwas zu holzschnittartige Charaktere, ein paar zu einfache Erklärungen und phasenweise etwas zu wenig Tempo. Und trotzdem gehört "Tanzmariechen" zu den besseren Krimis der ARD-Reihe – auch wenn ihm am Ende genau das abgeht, was auch Kowatschs Truppe fehlt: Schwung.

In Köln wird am Ende der Karnevalszeit eine Strohpuppe verbrannt: der Nubbel. Ihm werden all die Fehler des Jahres angelastet, er ist der Sündenbock für alles, was in den vergangenen zwölf Monaten schiefgelaufen ist. Doch in diesem Tatort gibt es keinen Nubbel – und so müssen am Ende alle für ihre Sünden selbst büßen. Jeder auf seine Art.