St. Petersburg 1917. Im Februar begehrt das Volk auf und entmachtet den Zaren. Viele Künstler sind euphorisch: Revolution! Freiheit! Endlich Frieden? Nein. Ab Oktober herrschen allein die Bolschewiki. Was taten Künstler, Dichter wie Maxim Gorki oder Avantgardisten wie Kasimir Malewitsch während dieses radikalen Gewaltenwechsels? Im Film entsteigen fünf von ihnen als animierte Legetrickfiguren den Bücherstapeln der Regisseurin. Entlang der historischen Chronologie der Ereignisse taucht sie mit den Figuren in deren Gedankenwelten ein, erlebt mit ihnen noch einmal die Aufstände und Debatten jener Zeit. Unter den fünf Hauptfiguren: Sinaida Hippius, skandalumwitterte Dichterin. Ihr Petersburger Salon ist legendär. Sie wird zur Chronistin der Revolution. Früh ahnt sie, dass Russlands Eliten den Krieg nicht überstehen werden und früh erkennt sie die Gewalt und Grausamkeit der Bolschewiki. Ganz anders Wladimir Majakowski, der 25-jährige Dichter. Er träumt von einer neuen Welt und einer radikal anderen, wahrhaft demokratischen Kunst. Dieser Film wendet sich erstmalig dezidiert den Künstlerbiografien inmitten der Umbruchszeit des Jahres 1917 zu und fragt: Welche Rolle spielen Kunst und Künstler im Augenblick gesellschaftlicher Umwälzungen? Wo und wie treiben sie - erklärend, propagierend, zweifelnd - selbst die Ereignisse voran? Was geschieht mit ihnen, wenn sie in Situationen hineingeraten, die sie nicht kontrollieren? Und welche Möglichkeiten haben sie, das eine zu tun und das andere nicht? Kulturgeschichte als eine Summe von historischen Umständen, Ereignissen und persönlichen Schicksalen.