Die Fotografie hatte im Leben von Abbas Kiarostami stets einen besonderen Stellenwert. Als er 1960 nach seinem Studium an der Kunsthochschule von Teheran den Wunsch hegte, Filmregisseur zu werden, begann er auch mit dem Fotografieren von Stillleben und iranischen Landschaften. Während sich sein vielfältiges Gesamtwerk weiterentwickelte, führte er diese formale Suche fort und häufte hunderte von Bildern an, die 2007 im Centre Pompidou ausgestellt wurden. Mit seinem jüngsten Film "24 Frames" schuf Abbas Kiarostami eine dialogische Verbindung zwischen den beiden künstlerischen Ausdrucksformen, denen er sich sein Leben lang gewidmet hatte - zwischen seiner Arbeit als Filmemacher und seiner Arbeit als Fotograf. "Eines Tages, als ich nichts zu tun hatte, kaufte ich eine billige Yashica und ging hinaus in die Natur. Ich wollte ganz alleine mit der Natur sein. Gleichzeitig wollte ich die bezaubernden Augenblicke, die ich erlebte, mit anderen Menschen teilen. So begann ich, Fotos zu machen. In gewisser Weise, um diese Momente von Leidenschaft und Schmerz zu verewigen ..." Ausgangspunkt für das Projekt "24 Frames" ist eine künstlerische und zugleich metaphysische Frage: Was passiert in den kurzen Augenblicken direkt vor und nach einer fotografischen Aufnahme? Welche Vorstellungswelten verbergen sich hinter einem Bild? Um diesen Fragen nachzugehen, erfand Abbas Kiarostami eine Technik, mit der er 20 Fotos aus seiner persönlichen Sammlung filmisch in Szene setzte: Mithilfe von digitalen Werkzeugen, unauffälligen 3D-Inserts und Green Screens erweckte er die Bilder aus der Vergangenheit zu neuem Leben, um so noch einmal den Gefühlen nachzuspüren, die er beim Fotografieren erlebt hatte. In komplexen Szenerien und mit feinsinnig-poetischem Blick inszeniert Abbas Kiarostami laszive Frauenkörper am Strand, über verschneite Felder galoppierende Pferde oder Vogelschwärme über Industrielandschaften. Die bewegenden Bilder erinnern an die experimentellen Meisterwerke des Künstlers ("Ten").