50+ und arbeitslos

Report, Gesellschaft und Soziales
50+ und arbeitslos

Infos
Produktionsdatum
2018
SF1
Fr., 08.06.
11:10 - 12:00
Wege aus der Altersfalle


Der «DOK»-Film «50+ und arbeitslos» zeigt vier unterschiedliche Menschen und deren Kampf um Arbeit, Selbstachtung und Lebensmut. Vier Wege aus der Resignation in ein neues Leben - ob mit oder ohne bezahlte Arbeit. Menschen über 50 werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert. Sie sind zwar weniger häufig arbeitslos als Jüngere. Verlieren sie den Job, dauert es bei den Älteren im Schnitt aber wesentlich länger, bis sie beruflich wieder Fuss fassen. Wenn das nicht gelingt, ist der soziale Abstieg programmiert. Sobald die Arbeitslosenversicherung nicht mehr bezahlt, folgt die Aussteuerung. Die Sozialhilfe übernimmt jedoch erst, wenn das Vermögen aufgebraucht ist. Die Zahl der Aussteuerungen bei den über 50-Jährigen hat erschreckend zugenommen: seit 2010 um 40 Prozent. Viele Langzeitarbeitslose vereinsamen - weil sie sich schämen oder das Geld fehlt, um zu Bekannten zu reisen und am sozialen Leben teilzunehmen. Die 61-Jährige Ruth Stadelmann wurde vor zehn Jahren im Rahmen einer Reorganisation der Post ausgemustert. Lange Zeit haderte sie mit ihrem Schicksal, noch heute sagt sie: «Ich war doch immer fleissig, ich habe gut gearbeitet.» Sie kämpfte gegen Langeweile, Isolation und Depressionen. Bis sie sich entschloss, Freiwilligenarbeit zu leisten. Auch Alfred Waser, 58, Ingenieur mit ehemals glänzender Karriere, verharrte lange in Resignation. «Man sondert sich ab», sagt er, «das ist kein richtiges Leben mehr.» Ihm half der Besuch einer Selbsthilfegruppe aus der Krise. Er ist noch immer arbeitslos, hat aber seine grosse Liebe gefunden. Andreas Knuchel, 59, ebenfalls hochqualifizierter Ingenieur, ist seit drei Jahren arbeitslos und mittlerweile ausgesteuert. Der finanzielle Druck ist hoch. Als Knuchel den Job verlor, steckten Sohn und Tochter im Studium. Eisern hält er an seiner Tagesstruktur mit Bewerbungen, Haushalt und Sport fest. Und tatsächlich wird er endlich für seine Beharrlichkeit belohnt - mit einer Teilzeitstelle. Ganz anders Raffael Spielmann, 49. In seiner Jugend hatte er eine Lehre angefangen, aber nicht abgeschlossen. Jahrzehntelang brachte er sich danach mit Gelegenheitsjobs durch. Als seine Kinder ihre Ausbildungen abgeschlossen hatten, stieg er nochmals als Lehrling ein. Grufti nennen sie ihn in der Berufsschule. Vier berührende Geschichten von Niederlagen und Hoffnung. Bei allen geht es darum, sich nach dem Stellenverlust neu zu erfinden und eine Identität jenseits der Erwerbsarbeit zu erschaffen.


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