Milena , eine Frau mittleren Alters, ist vor allem eines: Ehefrau und Mutter. In einem gediegenen Viertel in Belgrad hat sie sich ihr Leben gut eingerichtet. Ab und an besuchen sie ihre beiden erwachsenen Kinder, manchmal geht sie zusammen mit ihrem Mann Vlada aus, um mit befreundeten Paaren zu plaudern und zu trinken. Ein Besuch beim Arzt schreckt Milena auf: Sie hat Brustkrebs, wohl schon seit Längerem. Doch es ist nicht die Krebsdiagnose, die ihr Leben radikal verändert. Vielmehr ist es eine Entdeckung, die sie kurz darauf beim Aufräumen in ihren eigenen vier Wänden macht. Auf einer Videokassette, die sie im Schlafzimmer entdeckt, sieht sie, wie Vlada und einige Männer im Jugoslawienkrieg Unschuldige hinrichten. Was soll sie tun? Mirjana Karanovic ist vor allem als Schauspielerin bekannt. Sie war in Andrea ?takas «Das Fräulein» zu sehen, der in Locarno den Goldenen Leoparden gewann und im gleichen Jahr im ebenfalls preisgekrönten «Grbavica». 2016 legte sie mit «Dobra ?ena» ihr Regiedebüt vor und warf darin einen Blick auf das Verdrängte in der serbischen Gesellschaft. «Milena, die Hauptfigur meines Films, ist eine Metapher für Serbien. Sie ist ein guter Mensch, aber sie schweigt und stellt keine Fragen, da wo es wichtig gewesen wäre», sagt Karanovic in einem Interview mit SRF. Die Fragen betreffen die Rollen der Soldaten in den Jugoslawienkriegen der 1990er-Jahren. Karanovic wurde wie viele Serben 2005 durch die Veröffentlichung der «?korpioni»-Videos aufgeschreckt. Die serbische paramilitärische Spezialeinheit «?korpioni» machte sich während des Krieges zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig und filmte sich dabei. Während aber der Grossteil ihrer Landsleute die Nachricht rasch wieder verdrängte, war für Karanovic klar, dass sie darüber einen Film machen wollte. Sie machte sich damit in ihrem Heimatland keine Freunde, wurde aber an zahlreichen Festivals geehrt.