Trotz Oscarpreisträger Philip Seymour Hoffman schrumpft die Verfilmung von John le Carrés Bestseller "A Most Wanted Man" (2013) auf Fernsehmaß zusammen.

Ohne Frage: Der 2014 verstorbene Philip Seymour Hoffman hätte für eine seiner letzten Rollen sicherlich ein spektakuläreres Stück Filmgeschichte verdient gehabt. In der Romanverfilmung "A Most Wanted Man" (2013) verkörperte der Oscarpreisträger einen deutschen Geheimdienstler. Günther Bachmann heißt dieser und jagt in der Adaption des gleichnamigen Romans von John le Carré Islamisten in Hamburg. Leider kommt Regisseur Anton Corbijn mit dem kühlen, detailreich bebilderten Post-9/11-Thriller nur selten über TV-Film-Niveau hinaus. Trotz prominenter Besetzung verspielt der nun bei ARTE wiederholte Thriller sein Potenzial.

Geheimdienst-Mann Günther Bachmann hat endlich die Chance auf einen großen Fisch, als der illegal nach Deutschland eingereiste muslimische Tschetschene Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin) in Hamburg auftaucht. Unter Druck gesetzt von der CIA-Agentin Martha Sullivan (Robin Wright), bereiten Bachmann und seine Assistentin Irna Frey (Nina Hoss) zusammen mit Banker Tommy Brue (Willem Dafoe) eine Falle vor.

Der Roman entspinnt daraus eine vielgliedrige, hochspannende Story – doch wie bringt man die vielen Perspektiven im Film unter? Anton Corbijn ("The American") will sich im Format des Fernsehkrimis aus der Affäre stehlen. Monitor-Überwachung, fleißige Nachwuchskräfte (darunter Daniel Brühl), Scherze und Flirts mit leicht bitterem Unterton, Alkohol-Probleme, Desillusionierung – das Team sieht aus wie abgekupfert aus einem "Tatort". Die Berührung mit einer durchaus explosiven Wirklichkeit geht dabei verloren – wo nur funktional die Handlung abgefilmt wird, fehlt die reizvolle Reibung zwischen Alltagsleben und Geheimnis. Die Stars haben derweil nur bekannte Gesichter, aber keine Charaktere.


Quelle: teleschau – der Mediendienst