ARTE Reportage

Report, Reportage
ARTE Reportage

Infos
Produktionsland
Frankreich
Produktionsdatum
2019
arte
Sa., 18.05.
17:15 - 18:10
China: Das "gelbe Gift"


(1): China: Das "gelbe Gift" (2): Indien: Die flammenden Flöze von Jharia

Thema:

China: Das "gelbe Gift"

Vor 20 Jahren erklärte Chinas Staatspräsident Jiang Zemin der spirituellen Bewegung Falun Gong den Krieg.
1992 präsentierte der kleine Beamte Li Honghzi der chinesischen Öffentlichkeit seine neue spirituelle Praktik, er nannte sie Falung Gong oder auch Falun Dafa - übersetzt Dharma-Rad-Praktik oder Gesetzesrad-Praktik. Inspiriert von den buddhistischen und taoistischen Meistern seiner Jugend, kombinierte er darin Meditation, Gymnastik, Spiritualität und Moral auf der geistigen Grundlage der drei Prinzipien Wahrheit, Mitgefühl und Toleranz. In den ersten Jahren unterstützte die kommunistische Staatspartei die neue spirituelle Bewegung: Arbeiter, Studenten, alte und junge Leute, Soldaten der Volksarmee und Mitglieder der KP trafen sich in trauter Gemeinsamkeit zu den Übungen in aller Öffentlichkeit. Als dann aber die Zahl der Anhänger von Falun Gong mit 70 Millionen erstmals die Zahl der Mitglieder der Kommunistischen Partei überschritt, begann der damalige Staatspräsident Jiang Zemin die spirituelle Bewegung als eine bedrohliche Konkurrenz der Partei zu sehen. Die Kampagne der KP gegen Falun Gong als "Sekte" nahm ihren Lauf, ihrem Gründer Li Honghzi gelang noch die Flucht in die USA. Am 25. April 1999 schließlich umzingelten 10.000 Anhänger von Falun Gong in einer friedlichen Demonstration das Regierungsviertel Zhongnanhai in Peking, und da gerieten die politische Verantwortlichen wohl endgültig in Panik. Sie verkündeten öffentlich, die "teuflische Sekte" Falung Gong "vernichten" zu wollen. 20 Jahre schon dauert dieser Krieg gegen Millionen von Falun Gong Anhänger in China und inzwischen auch in aller Welt.

Indien: Die flammenden Flöze von Jharia

Seit hundert Jahren schon, also seit in der Gegend Kohle abgebaut wird, brennt die Erde in der Region Jharia. Niemand hier scheint in der Lage, diese unterirdischen Feuer zu löschen, die das Leben einer halben Million Inder bedrohen.
In dem Dorf Bokapahari gibt es niemanden, der nicht vom illegalen Kohleabbau lebt. Frauen, Kinder und Alte scharren im Boden nach einigen Kilo schwarzem Gold. Und hinter ihnen stürzen ihre Häuser in sich zusammen, zerfressen von Grubensenkungen, Hangrutschen und Tagebrüchen. "Überall gibt es nur das: Kohleminen und Brände, Rauch und Staub." Die regionalen Umweltbelastungen sind hoch. Ashok Agarwal ist verzweifelt, wenn er die zehntausende seiner Landsleute sieht, die rund um den Kohletagebau herumvegetieren. Ashok, ein besonnener Mann, kämpft seit Jahren für die Bewohner und gegen die nationale Bergwerkgesellschaft BCCL, die die Menschen aus den Dörfern verjagen und das Abbaugebiet vergrößern will. Die Reportage fokussiert sich auf die Region Jharia im Nordosten Indiens, westlich von Kalkutta. Auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern liegt dort eines der bedeutendsten Kohlevorkommen weltweit. Der Steinkohlebergbau fördert einerseits die Kohlebrände, da er dem Luftsauerstoff verbesserten Zutritt zur Kohle verschafft, andererseits beeinträchtigen oder verhindern die Brände den Fortgang des Bergbaus. Es wird geschätzt, dass in Indien etwa 70 Prozent der Brände bergbaubedingt sind. Um zu überleben, klauben die Einwohner Kohlenbrocken von Hand auf - zu Fuß zwischen riesigen Fördermaschinen und Kippern. Ein oder zwei Euro am Tag können sie mit dieser gefährlichen Arbeit verdienen. Der Rauch der Brände verursacht bei den Bewohnern des dichtbesiedelten Gebietes Lungen- und Krebserkrankungen. Vor zehn Jahren hat die indische Regierung für eine Milliarde Euro ein großes Umsiedlungsprogramm für 80.000 Menschen aufgelegt. Nur 2.000 Menschen sind dem Umzug in eine Schlafstadt zehn Kilometer weiter gefolgt. Die anderen sind ohne Alternative. Um zu überleben, pilgern sie Morgen für Morgen zu Fuß über die brennende Erde zum Kohlebecken von Jharia. Kinder von 5 bis 6 Jahren und Alte von über 60. Wie übriggebliebener Abraum eines Landes, dessen Entwicklung sich rapide vorwärts frisst.



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