Ab 18! - Der Patriot

  • Wassili (links) lebt mit Ekaterina zusammen. Auch sie will in der Politik aktiv werden, doch für Wassili ist klar, dass Frauen dort nichts zu suchen haben. Fügt sie sich? Vergrößern
    Wassili (links) lebt mit Ekaterina zusammen. Auch sie will in der Politik aktiv werden, doch für Wassili ist klar, dass Frauen dort nichts zu suchen haben. Fügt sie sich?
    Fotoquelle: ZDF/Sergei Amirdzhanov
  • Wassili Wlassow (rechts) und ein anderer Abgeordneter seiner Partei blicken über die Dächer Moskaus. Vergrößern
    Wassili Wlassow (rechts) und ein anderer Abgeordneter seiner Partei blicken über die Dächer Moskaus.
    Fotoquelle: ZDF/Sergei Amirdzhanov
  • Wassili Wlassow bei einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei. Vergrößern
    Wassili Wlassow bei einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei.
    Fotoquelle: ZDF/Sergei Amirdzhanov
  • Wassili Wlassow (links) und sein Parteichef Wladimir Schirinowki bei einer gemeinsamen Veranstaltung, mit der sie mehr junge Leute ansprechen wollen. Vergrößern
    Wassili Wlassow (links) und sein Parteichef Wladimir Schirinowki bei einer gemeinsamen Veranstaltung, mit der sie mehr junge Leute ansprechen wollen.
    Fotoquelle: ZDF/Sergei Amirdzhanov
Report, Menschen
Ab 18! - Der Patriot

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
3sat
Mo., 29.10.
22:30 - 23:05


Wassilij Maximowitsch Wlassow wurde als Kind in seiner Klasse Streber genannt. Er sah das als Kompliment. Die Jugendorganisation der LDPR (Liberal-Demokratische Partei Russlands) bot Wassilij eine politische Karriere. Hier entfaltete sich sein politisches Talent zum ersten Mal. Er vertrat die Themen der Jugend, hielt Reden und stritt für preisgünstige öffentliche Verkehrsmittel, für Internetzugänge, organisierte Veranstaltungen. Hier entdeckte ihn Wladimir Schirinowski, machte ihn zum Leiter der LDPR-Jugend, dann zu seinem persönlichen Assistenten. Am 18. September 2016 wurde Wassilij zum Abgeordneten der Duma gewählt. Als Sprachrohr der Jugend im Parlament entwirft er nun immer neue Maßnahmen und Gesetze, die das Leben der 30 Millionen jungen Russen verbessern sollen. Immer wieder betont er gegenüber älteren Kollegen im Parlament, es gehe um die Zukunft Russlands - um die Jugend. Wassilij wirkt sympathisch, tritt weniger brachial auf als sein Ziehvater Schirinowski, vertritt aber wie dieser kompromisslos konservative Werte und patriotischen Geist. Er ist für sein Alter ein erstaunlich professioneller Rhetoriker. Er redet klar, liest nicht ab und schaut Zuhörern direkt in die Augen, denn er weiß bereits, dass Parteiprogramme nur Phrasen enthalten und es auf das Charisma ankommt, um als Politiker gewählt zu werden. Und Wassilij hat Ehrgeiz, denn sein nächstes großes Ziel ist es, mit 35 Jahren Präsident Russlands zu werden. Dafür sieht er gute Chancen, denn es wird für ihn noch zwei Legislaturperioden dauern, und "bis dahin wird sich eh nichts ändern", behauptet Wlassow. Ekaterina, Wassilijs Freundin, ist ihm in der Parteifraktion begegnet. Sie tritt auf wie eine grelle Blondine, ist aber durch ein Studium mehr als qualifiziert für eine politische Karriere. Einmal erwähnt Ekaterina, dass sie selbst für die Duma kandidieren könnte. Er werde ihr nicht helfen, antwortet ihr Wassilij unwirsch, denn für ihn ist klar, dass Frauen in der Politik nichts zu suchen haben und Frauen von Politikern sich höchstens karitativen Aufgaben widmen sollten. Damit ist die Diskussion für ihn beendet, und Ekaterina fügt sich, wie es scheint. Regisseurin Katja Fedulova zeigt Wassilij als karriereorientierten Jungpolitiker auf der Bühne des russischen Polittheaters und verdeutlicht diesen Gestus durch satirische Stilmittel, ohne deswegen seine autoritäre, konservative Zielsetzung zu verharmlosen. Eher wird deutlich, dass er dabei ist, in die Fußstapfen Schirinowskis zu treten, in einem neuen politischen Stil. Für Wassilijs Generation von Russen ist die Übermacht Putins selbstverständlich. Gleichzeitig spüren diese 20-Jährigen die wachsende Entfernung zu Westeuropa. Die Sanktionen der EU werden als Demütigung erlebt. Sie sind jederzeit bereit, das regierende Regime zu verteidigen, und würden sich einem Aufruf zu den Waffen nicht verweigern. Russland sucht nach seiner Identität und findet sie immer wieder in der umstrittenen Vergangenheit. Wassilij ist für Fedulova ein authentisches Beispiel dafür, wie junge Menschen durch Propaganda und Staatsmanipulation ideologisch geformt werden. Die in der UdSSR geborene und aufgewachsene Autorin Katja Fedulova lebt und arbeitet in Deutschland, seit sie dem Chaos in ihrem Heimatland in den 1990er-Jahren entflohen ist. In ihren Filmen beschäftigt sie sich immer wieder mit Russland, in dem Bemühen, dem deutschen Publikum die russischen Verhältnisse näher zu bringen. "Der Patriot" ist eine Fortsetzung ihrer filmischen Wiederannäherung an Russland, zum Beispiel mit dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Drei Engel für Russland". Mit Ernüchterung stellt Fedulova fest, dass in ihrer Heimat auf überwunden geglaubte sozialistische Werte zurückgegriffen wird, dass junge Menschen Stalin verherrlichen, dass der Patriotismus langsam eine gefährliche Rolle spielt und dass Putin einen Personenkult feiert.


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