Abgelehnt und abgeschoben

  • Pro Tunesier drei Beamte: Bundespolizisten eskortieren Abzuschiebende in den Bus zum Flugzeug. Vergrößern
    Pro Tunesier drei Beamte: Bundespolizisten eskortieren Abzuschiebende in den Bus zum Flugzeug.
    Fotoquelle: ZDF/Lars Seefeldt
  • Der Fliesenleger Pajtim Tahiri war 2015 mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland ausgereist. Nachdem sein Asylantrag abgelehnt wurde, entschied er sich zur freiwilligen Rückkehr. Vom deutschen Re-Integrationszentrum URA ("Die Brücke") erhielt er elektrische Werkzeuge als Starthilfe. Heute beschäftigt er zwei Mitarbeiter und hat volle Auftragsbücher. Aus Sicht der deutschen Behörden eine Erfolgsgeschichte. Zurückgekehrt mit deutscher Förderung: ein Fliesenleger im Kosovo. Vergrößern
    Der Fliesenleger Pajtim Tahiri war 2015 mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland ausgereist. Nachdem sein Asylantrag abgelehnt wurde, entschied er sich zur freiwilligen Rückkehr. Vom deutschen Re-Integrationszentrum URA ("Die Brücke") erhielt er elektrische Werkzeuge als Starthilfe. Heute beschäftigt er zwei Mitarbeiter und hat volle Auftragsbücher. Aus Sicht der deutschen Behörden eine Erfolgsgeschichte. Zurückgekehrt mit deutscher Förderung: ein Fliesenleger im Kosovo.
    Fotoquelle: ZDF/Lars Seefeldt
  • Näherinnen im Unternehmen Sartex im tunesischen Sousse, aufgenommen Mitte Mai 2017. In dieser Fabrik finden Menschen Beschäftigung, die Tunesien eigentlich verlassen wollten. Mit der Förderung solcher und ähnlicher Projekte will die Bundesregierung Menschen davon abbringen, ihr Heimatland zu verlassen. Vergrößern
    Näherinnen im Unternehmen Sartex im tunesischen Sousse, aufgenommen Mitte Mai 2017. In dieser Fabrik finden Menschen Beschäftigung, die Tunesien eigentlich verlassen wollten. Mit der Förderung solcher und ähnlicher Projekte will die Bundesregierung Menschen davon abbringen, ihr Heimatland zu verlassen.
    Fotoquelle: ZDF/Kersten Schüßler
  • Termin mit der Entscheiderin Anett Pantel (l.): Anhörung eines Geflüchteten im Ankunftszentrum Leipzig. Vergrößern
    Termin mit der Entscheiderin Anett Pantel (l.): Anhörung eines Geflüchteten im Ankunftszentrum Leipzig.
    Fotoquelle: ZDF/Lars Seefeldt
  • Bundespolizist Lars Rose (Name geändert) zeigt das Fesselungssystem "Bodycuff". Damit werden Abzuschiebende fixiert, wenn sie sich wehren. Vergrößern
    Bundespolizist Lars Rose (Name geändert) zeigt das Fesselungssystem "Bodycuff". Damit werden Abzuschiebende fixiert, wenn sie sich wehren.
    Fotoquelle: ZDF/Lars Seefeldt
  • Der Tunesier Samir M. (M.) am frühen Morgen des 5. April 2017 neben zwei Beamten der sächsischen Polizei. Sie bringen ihn aus der JVA Dresden zum Flughafen Leipzig, wo an diesem Vormittag eine Sammelabschiebung nach Tunesien stattfindet. Zwischendurch eine kurze Raucherpause auf einem Rastplatz. Vergrößern
    Der Tunesier Samir M. (M.) am frühen Morgen des 5. April 2017 neben zwei Beamten der sächsischen Polizei. Sie bringen ihn aus der JVA Dresden zum Flughafen Leipzig, wo an diesem Vormittag eine Sammelabschiebung nach Tunesien stattfindet. Zwischendurch eine kurze Raucherpause auf einem Rastplatz.
    Fotoquelle: ZDF/Kersten Schüßler
Report, Gesellschaft und Soziales
Abgelehnt und abgeschoben

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
ZDFinfo
Sa., 25.08.
09:25 - 09:53
Asylbewerber auf dem Weg zurück


Dresden im Morgengrauen. Heute sollen mehrere Tunesier in ihre Heimat abgeschoben werden. Einer von ihnen ist Murat M. Er ist Häftling und sitzt in einer Justizvollzugsanstalt. Murat M. ist mit der Nachricht geweckt worden, dass seine Haftzeit nun endet. Er wird noch am selben Tag in seine Heimat Tunesien abgeschoben. In Leipzig am Flughafen bereiten zur selben Zeit Bundespolizisten die Abschiebung vor. Unter Kommando von "Escort-Leader" Lars Rose werden am Terminal Vorkehrungen für den Tag getroffen. Zum Beispiel wird die Halle nach gefährlichen Gegenständen durchsucht, Fesselungsinstrumente werden bereitgelegt. Murat M. ist nicht der Einzige, der heute zurück nach Tunesien muss. Abschiebungen sollen konsequent umgesetzt werden. Die Bundesregierung hat sich, auch unter dem Schock jüngster Terroranschläge, vorgenommen, die Zahl der Nicht-Bleibeberechtigten möglichst effizient zu senken. Das erklärte Ziel: Menschen ohne Schutzstatus schnell zurückzuschicken, um andere umso besser integrieren zu können. Nur rund jeder Dritte reist tatsächlich aus, ob freiwillig oder durch Zwang. Die "ZDF.reportage" fragt: Wie sieht die Abschiebe-Praxis aus? Sind die Vorgaben der Politik überhaupt umsetzbar? 43 Namen hat Barbara Hitz, Leiterin der Bundespolizei-Abteilung "Rückführung", für den Flug nach Tunis auf die Liste gesetzt. 43 Männer werden an diesem Morgen bundesweit von Landespolizisten gesucht. Doch diese Suche ist, wie immer öfter, erfolglos. Die Mehrzahl taucht unter, ist unauffindbar. Am Ende sind es 17 Männer, die in Leipzig streng bewacht eintreffen, allein 13 aus Haftanstalten. Nur vier konnten auf freiem Fuß angetroffen werden, elf hätten es sein sollen, denn 25 Abzuschiebende nimmt Tunesien pro Flugzeug zurück. Angesichts des Aufwandes eine ernüchternde Bilanz. Die Politik will mit konsequenten Abschiebungen Zeichen setzen. Für die, die Abschiebungen umsetzen müssen, ist es, auf sehr unterschiedliche Weise, ein harter Job. So wie für Frau Pantel. Wenige Kilometer von der Abschiebe-Station auf dem Leipziger Flughafen liegt das Ankunftszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Hier hört sich Pantel die Schicksale derjenigen an, die bleiben wollen. Wurden sie verfolgt - politisch, sozial, sexuell - dann sieht es eher gut für sie aus mit dem Bleiberecht. Spielen wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle, wollen sie sich hier eine Existenz aufbauen, gibt es wenig Chancen. Jede Entscheidung ist eine Einzelfallentscheidung. Pantels Kollegen empfehlen auch eine Rückkehrberatung. Aber daran ist kaum einer interessiert. Hunderttausende Menschen aus Bürgerkriegsländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak, aber auch vom Westbalkan oder aus Nordafrika haben seit 2015 in Deutschland einen Asylantrag gestellt. In den 90ern waren es hauptsächlich Menschen aus den Balkanländern, die vor Bürgerkrieg und Elend flohen. Viele wurden aus humanitären Gründen vorerst geduldet, bei anderen scheitert die Rückführung an mangelnder Kooperation der Herkunftsstaaten, wieder andere sind den Behörden durchgerutscht oder schlicht untergetaucht. Abgelehnte Asylverfahren landen vor völlig überlaufenen Verwaltungsgerichten, es können Jahre ins Land gehen, bis dann inzwischen gut integrierte Zuwanderer zur Ausreise aufgefordert oder abgeschoben werden. Eines ist jedoch klar: Die freiwillige Rückkehr von abgelehnten Asylbewerbern ist billiger und besser für alle. In Pristina, im Kosovo, bieten deutsche Behörden zum Beispiel Rückkehrhilfen und -beratungen an. Auch in Tunesien soll eine solche Anlaufstelle aufgebaut werden. Die Hoffnung aber, in Zukunft die Zuwanderung nach Deutschland besser steuern zu können, ist schwach. Und so wird das Thema Abschiebung Deutschland auch weiterhin beschäftigen.


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