Albtraum Au-pair in Deutschland

Report, Reportage
Albtraum Au-pair in Deutschland

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
HR
Sa., 02.02.
04:40 - 05:10


Mit großen Hoffnungen sind sie nach Deutschland gekommen: vier junge Frauen aus Nepal. Doch schnell wird ihr Au-pair-Aufenthalt zum Albtraum. Au-pair - das soll eigentlich ein Kulturaustauschprogramm mit Familienanschluss sein. 13.500 Au-pairs sind mit dieser Erwartung im vorigen Jahr hierhergekommen. Doch nicht in allen Familien läuft es so, wie es sein sollte. Viele Au-pair-Mädchen wollen wechseln. Der Grund: zu lange Arbeitszeiten, keine Freizeit, keine angemessene Verpflegung, keine Bezahlung, Überwachung, Misshandlung. Seit zwei Jahren sind zwei Frauen aus Hessen als Au-pair-Helferinnen aktiv. Beide betreiben selbst eine Au-pair-Agentur, kennen den Markt und waren stutzig geworden wegen der vielen Mädchen, die unbedingt aus ihren Gastfamilien raus wollten. Sie richteten eine Hotline ein. Inzwischen erhalten sie pro Tag zwei bis drei Notrufe von Au-pairs, die Probleme haben. Wenn nichts mehr hilft, holen sie die jungen Frauen gegen den Willen der Gasteltern aus den Familien heraus und suchen eine neue Unterkunft für sie. Die Filmautorin Claudia Banse ist selbst betroffen, sie hat in ihrer Familie immer ein Au-pair-Mädchen, das mit am Tisch sitzt, im Haushalt und bei der Kinderbetreuung hilft. Das bedeutet für sie eine Entlastung und für viele Familien auch eine Bereicherung. Doch seit sie in ihrer Familie voriges Jahr ein Au-pair-Mädchen aufgenommen hat, das aus der ersten Gastfamilie flüchtete, ist die Autorin eingetaucht in diese Welt im Verborgenen. Sie hat erlebt, wie eine Agentur ihre Au-pair-Mädchen nicht wie versprochen unterstützte, wie Gastfamilien die jungen Frauen ausbeuteten, und erfuhr von sexuellen Belästigungen. Schaut die Gesellschaft da weg? Claudia Banse deckt auf, dass es zu wenig Kontrollmöglichkeiten gibt. Die Bundesanstalt für Arbeit prüft zwar den Visumantrag, aber niemand kontrolliert die Agenturen oder gar die Gastfamilien. Seitdem im Zuge der EU-Gesetzgebung die Agenturpflicht aufgehoben wurde und immer mehr Au-pairs über Internet-Agenturen vermittelt werden, wird der Markt immer undurchschaubarer. Weder das Familienministerium, noch die Bundesarbeitsagentur, noch lokale Behörden oder Polizei sowie Zoll nehmen sich des Themas an - und das, obwohl unter deutschen Dächern Ausbeutung und Misshandlung stattfinden.


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