Arbeit auf Zeit

  • Michael Golla hatte über sieben Jahre hinweg immer wieder befristete Verträge. Der Realschullehrer hat deshalb den Freistaat Bayern verklagt. Vergrößern
    Michael Golla hatte über sieben Jahre hinweg immer wieder befristete Verträge. Der Realschullehrer hat deshalb den Freistaat Bayern verklagt.
    Fotoquelle: ZDF/Olaf Bitterhoff
  • Christian Hohendanner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beklagt: "Es hat sich so eingespielt, dass man erstmal befristet beschäftigt ist. Denn es ist risikoärmer für den Arbeitgeber." Vergrößern
    Christian Hohendanner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beklagt: "Es hat sich so eingespielt, dass man erstmal befristet beschäftigt ist. Denn es ist risikoärmer für den Arbeitgeber."
    Fotoquelle: ZDF/Cornelius Zoch
  • Befristete Beschäftigung selbst beim Staat: Der öffentliche Dienst betreibe flexible Personalgestaltung auf dem Rücken der Arbeitnehmer, kritisiert Jutta Krellmann von der Bundestagsfraktion der Linken. Vergrößern
    Befristete Beschäftigung selbst beim Staat: Der öffentliche Dienst betreibe flexible Personalgestaltung auf dem Rücken der Arbeitnehmer, kritisiert Jutta Krellmann von der Bundestagsfraktion der Linken.
    Fotoquelle: ZDF/Oliver Wolf
  • Zusammen mit Justus von Daniels vom Recherchezentrum Correctiv hat "ZDFzoom" deutschlandweit Landes- und Bundesministerien angefragt. Das Ergebnis: Befristung ist bei nahezu allen öffentlichen Arbeitgebern verbreitet. Vergrößern
    Zusammen mit Justus von Daniels vom Recherchezentrum Correctiv hat "ZDFzoom" deutschlandweit Landes- und Bundesministerien angefragt. Das Ergebnis: Befristung ist bei nahezu allen öffentlichen Arbeitgebern verbreitet.
    Fotoquelle: ZDF/Oliver Wolf
Report, Gesellschaft und Soziales
Arbeit auf Zeit

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
ZDFinfo
So., 28.10.
07:15 - 07:45
Wie der Staat seine Angestellten ausnutzt


Gut bezahlt und vor allem: sicher. Diesen Ruf genießt der öffentliche Dienst als Arbeitgeber. Zu Unrecht, denn die Arbeitsbedingungen sind seit Jahren nicht mehr vorbildlich. Von den rund 4,69 Millionen beim Staat Beschäftigten haben immer mehr einen befristeten Vertrag. Die öffentliche Hand stellt sogar noch häufiger auf Zeit ein als die Privatwirtschaft. "ZDFzoom" fragt: Warum setzt ausgerechnet der Staat auf befristete Jobs? "Beim ersten Vertrag wurde mir versprochen, dass ich unbefristet weiterbeschäftigt werde. Als es dann hieß, es sei ein befristeter Vertrag, war das ein ganz schöner Schlag in die Magengrube", erinnert sich Michaela B. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenpflegerin arbeitete sie zwei Jahre lang befristet für ein städtisches Klinikum - in einer Branche also, in der Fachkräfte händeringend gesucht werden. Die Folgen der Befristung: keine Chance, ein Leben zu planen, ständiger Druck auf der Arbeit - alles geben, in der Hoffnung auf die baldige Festanstellung. Für den Wissenschaftler Dr. Christian Hohendanner vom Institut für Arbeitsmarktforschung ist klar: Wenn der Staat etwas ändern wollte, müsste er Geld in die Hand nehmen - Planstellen schaffen, die über Jahre die öffentlichen Haushalte absehbar belasten. Befristungen seien da bequemer. Und gerade im öffentlichen Dienst können sich Arbeitgeber aus einer Vielzahl an Begründungen bedienen - oder einfach ganz ohne Nennung von Sachgründen befristen. Das werde von manchen Arbeitgebern für eine Art Probezeit XXL genutzt, kritisiert der Wissenschaftler. In Zusammenarbeit mit dem Recherchezentrum Correctiv hat "ZDFzoom" herausgefunden: Viele Bundesländer haben gar keinen Überblick über ihre eigene Befristungspraxis. Und noch etwas fällt auf: In den letzten Jahren ist gerade auf hoher Staatsebene Befristung regelrecht zum Trend geworden. In manchem Bundesministerium ist mehr als jeder Vierte befristet. Spitzenreiter laut Umfrage für "ZDFzoom": Landwirtschafts-, Familien- und Wirtschaftsministerium. "ZDFzoom" fragt Interviews bei den Ministern an, doch die Antworten sind mager: keine Zeit. Nicht zuständig. Kein Interesse? "ZDFzoom" konfrontiert den Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bei einer Veranstaltung in Berlin. Er wolle künftig alles anders machen, seine Ministerkollegen in die Pflicht nehmen, sagt er. Im Koalitionsvertrag steht davon allerdings nichts. Dabei wäre es gar nicht so schwer, Befristungen einzudämmen. "ZDFzoom" zeigt am Beispiel Hamburg: Die bisherige Befristungspraxis kann man auch einfach beenden, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist. Mehr unter www.zoom.zdf.de


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