Arbeit war das halbe Leben

Report, Geschichte
Arbeit war das halbe Leben

HR
Do., 20.12.
23:30 - 00:30


Als Manfred Baumgärtner in der Völklinger Hütte am Hochofen stand, war seine Arbeitswoche unglaubliche 56 Stunden lang. Arbeitsfrei am Samstag? Unvorstellbar. Er trug unzulängliche Arbeitskleidung, nicht einmal feuerfest. Zu den Hochkonjunkturzeiten der Stahlhütte arbeiteten 17.000 Menschen dort. Woran erinnern sich der Stahlwerker, die LPG-Bäuerin, der Bergmann, der Hochseefischer, die Krankenschwester und der Fließbandarbeiter, wenn sie an ihr Arbeitsleben denken? War es Last oder Lust? Maloche oder Kampf um bessere Bedingungen? Sechs Menschen, deren Arbeit heute schlicht als Knochenjob bezeichnet werden kann, nehmen mit in eine Welt, die vielerorts längst mit der Rationalisierung, Automatisierung oder Digitalisierung verschwunden ist: in die Welt der schweißtreibenden, körperlichen Arbeit. Sie erzählen voller Energie, Humor und Stolz. Mit eindrucksvollem Archivmaterial und zum Teil noch nie gezeigten Bildern aus privaten Beständen entführt der Film in eine Arbeitswelt, die sich junge Menschen heute kaum noch vorstellen können. Und doch ist es keine sechzig Jahre her, dass Wilhelm Veith Autos am Fließband per Hand lackierte: im Ganzkörperanzug mit Schutzmaske. Frischluft wurde ihm mit dem Schlauch zugeführt. Für den heute 77-jährigen Wilhelm Veith ist genau das Arbeit: sich körperlich zu verausgaben. So war es auch für seinen Bruder und seinen Vater; sie alle arbeiteten bei Opel. Heute ist es eher eine Ausnahme, wenn jemand von seiner Hände Arbeit eine Familie ernähren kann. Veiths Neffe Jörg optimiert jetzt die Arbeitsabläufe im Karosseriebau. Dass diese Tätigkeit ebenfalls Arbeit darstellt, kann sich Wilhelm Veith nur schwer vorstellen. Aber er kann das Ergebnis sehen: An den Bändern und Ständen, wo früher Hunderte Menschen im Einsatz waren, stehen heute fast nur noch Roboter. Die große Zeit der deutschen Stahlhütten und Kohleminen ist vorbei. Trotzdem erzählen die Menschen in diesem Film auch von der Gegenwart, wenn sie sich an ihre Arbeit erinnern. Denn es gibt ihre Jobs noch immer: globalisiert und oft unter unmenschlichen Bedingungen in Asien, Afrika und Südamerika. Ob in Ost oder West: Alle, die im Film erzählen, kannten den Stolz auf ihre Arbeit genauso, wie sie den Druck und die Härte verfluchten. Beißende Luft in der Gaskokerei, durchdrungen von Ammoniak, Teer, Benzol und Schwefel; Eintönigkeit der Handgriffe im Dauerlärm der Maschinen; Steigerung der Norm und die Angst, verdrängt zu werden. Arbeitsleben im Wandel - von Bremen bis nach Saarbrücken, von Rüsselsheim bis nach Mestlin in Mecklenburg. Der Film eröffnet persönliche und bewegende Rückblicke auf die vergehende Industriegesellschaft im Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft.


Werbepause? Zeit für Spielchen!

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