Einem Steingebirge gleich erhebt sich Mailands Hauptbahnhof inmitten der Stadt: der Milano Centrale. Sein Bau dauerte 25 Jahre. Am Ende erschuf sich Mailand eine Bahnhofskathedrale, einen Monumentalbau geprägt von zwei Epochen: der Monarchie und dem Faschismus. Spuren dieser politischen Systeme finden sich heute noch am Kopfende von Gleis 21. Wie die "sala reale" - der königliche Wartesaal des Savoyer Königs. Wer genau hinschaut, erkennt noch die Zeichen der nachfolgenden Herrschaft Benito Mussolinis: Ein Hakenkreuz, eingelassen in das hölzerne Parkett des Wartesaals. Lange Zeit lag es unter einem riesigen Teppich versteckt. Zur Zeit der Industrialisierung erblühte in Italien die Gestaltung moderner Nekropolen. Autor und Regisseur Jeremy JP Fekete entdeckt nahe den Rangiergleisen des Mailänder Bahnhofes den 1866 eröffneten Cimitero Monumentale. Mit allegorischen Todesengeln und trauernden Marien verband man die Vorstellung einer "Stadt der Toten" inmitten der "Stadt der Lebenden", erschaffen als eine Nekropole für die Mailänder Bourgeoisie. In der Squadra Rialzo, der alten Mechanikerwerkstätte des Mailänder Bahnhofes findet man hingegen Schätze aus der Eisenbahnzeit: Unter anderem Lokomotiven, die heute noch die Bahnstrecken des Umlands befahren und das Herz jedes alten und jungen Lokführers höher schlagen lassen. Denn eine zu Lokomotive fahren ist für einige gar eine Lebensphilosophie.