Balkan mit und ohne Schluchten

Die Donau schlängelt sich hier durch die Berge - zwischen dem Serbischen Erzgebirge und dem Banater Gebirge an der Grenze von Rumänien zu Serbien. Früher war dieser Taldurchbruch mit seinen gefährlichen Strömungen und Untiefen eine Todesfalle für Schiffer. Erst 1972 wurde hier ein Staudamm mit Schleusen und Elektrizitätswerk fertiggestellt und die brisante Durchfahrt entschärft. Vergrößern
Die Donau schlängelt sich hier durch die Berge - zwischen dem Serbischen Erzgebirge und dem Banater Gebirge an der Grenze von Rumänien zu Serbien. Früher war dieser Taldurchbruch mit seinen gefährlichen Strömungen und Untiefen eine Todesfalle für Schiffer. Erst 1972 wurde hier ein Staudamm mit Schleusen und Elektrizitätswerk fertiggestellt und die brisante Durchfahrt entschärft.
Fotoquelle: ZDF/BR
Report, Dokumentation
Balkan mit und ohne Schluchten

Infos
Produktionsdatum
2012
3sat
So., 04.11.
15:25 - 15:55


Der Balkan ist ein halber Kontinent, ein Lebensgefühl, ein Gebirge gleichen Namens. Korrespondent Thomas Morawski, der den Balkan seit Jahrzehnten kennt, stellt seine Lieblingsplätze vor. Abseits der bekannten Pfade reist er von Kroatien durch Montenegro, nach Serbien, Mazedonien und Albanien. In Bulgarien endet die Reise am einzigen Durchbruch des Balkangebirges. Es sind Landschaften, die alle eine eigene Geschichte erzählen können. Wenn man südlich von Zagreb die Autobahn Richtung Küste nimmt, meint man bald, im amerikanischen Monument Valley zu sein: Steile Felsmonumente ragen aus der Ebene, Schilder geben Hinweise auf vagabundierende Bären. Es ist aber Kroatiens Hinterland. In dieser Gegend wurden in den 1960er-Jahren viele erfolgreiche Karl-May-Filme gedreht. Ein Winnetou-Museum erinnert daran, ausgerechnet in einer Gegend, die seit dem Krieg mit Serbien immer noch vermint ist. Die Menschen haben gelernt, damit zu leben. Räumkommandos erinnern an die alltäglichen Gefahren. Weiter geht es durch Europas letzte Urwälder im kleinen Montenegro, durch Kilometer tiefe Schluchten und jahrhundertalte Baumriesen. Per Boot kann man weit ins Unbekannte vordringen. Ein Abstecher nach Serbien: Kurz hinter dem Eisernen Tor, dem Felsdurchbruch der Donau in Serbien, schwimmen zahlreiche Kreuzfahrtschiffe über brisantem Untergrund. Bei Niedrigwasser taucht sie auf, die sogenannte deutsche Schwarzmeerflotte auf dem Grund des Flusses. Am Ende des Zweiten Weltkrieges versenkte die Wehrmacht auf dem Rückzug etwa 170 Schiffe. Dass in den Wracks noch explosive Ladungen liegen, stört kaum jemanden. In Nordalbanien stehen die Berge immer noch als kaum überwindbare Hindernisse zwischen Nachbarn. Jahrhundertealte Dörfer scheinen versunken in einem nicht enden wollenden Schlaf. Durch den schiffbaren Stausee von Fierze ist ein Zugang gelungen. Mit einer einfachen Fähre gelangt man in Fjorde und Täler, die an Norwegen erinnern. Die Zeit steht hier still. Nur wenn ein Schiff kommt, erwacht die Gegend zu Leben. Vorletzte Station der Reise quer durch den Balkan ist Mazedonien, eine seit dem kurzen Krieg 2001 wieder von Gott und der Aufmerksamkeit der Welt verlassene Gegend. Viele Mazedonier suchten ihr Heil im Ausland. Neben den slawischen Mazedoniern und den Albanern leben auch Roma in dem kleinen Balkanland, sie machen rund drei Prozent der Bevölkerung aus. Die Musik der Roma ist legendär, so wie die Musiker, die durch sie berühmt wurden. Ferus Mustafov ist einer der bedeutendsten Roma-Musiker auf dem ganzen Balkan. Der Balkan ist wild und unzugänglich. In Bulgarien kann man es erleben, sei es mit dem Bummelzug, der sich im Schneckentempo durch die Täler schlängelt, oder am besten hoch zu Ross im Galopp durch das Balkangebirge. Und schon wieder fallen dem Reisenden die Romane von Karl May ein, der über die Schluchten des Balkans fabulierte, aber nie dort war.


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