Das italienische Filmemacher-Team Angela Ricci Lucchi and Yervant Gianikian versteht seine Arbeit als einen steten Kampf gegen Gewalt und Krieg. In diesem Dokumentarfilm behandeln die Autoren den italienischen Faschismus und Kolonialismus in Afrika. In privaten Filmarchiven entdecken sie Aufnahmen aus Abessinien/Äthiopien aus der Zeit der italienischen Kolonialherrschaft. Zum Beispiel das in Äthiopien gedrehte Filmmaterial eines italienischen Arztes, bei dem der koloniale Erotismus deutlich durchscheint: nackte Frauenkörper als "Korpus" des Films. Außerdem sieht man etliche Luftaufnahmen des Landes. Bomber wurden mit Senfgasbomben bestückt, obwohl deren Verwendung stets geleugnet wurde. Bilder von unbekannten Soldaten, die bei dem brutalen italienischen Eroberungsfeldzug in Äthiopien zwischen 1935 und 1936 eingesetzt wurden. Die Stimme der großen, politisch engagierten italienischen Sängerin Giovanna Marini durchwirkt den Film und schlägt so die Brücke zur volkstümlichen mündlichen Überlieferungstradition Italiens. Sie ist der Widerhall der Stimme der beiden Regisseure. In ihr erklingen die Massaker und die Spuren des äthiopischen Widerstands, von dem man in Militärberichten lesen kann, der jedoch nie an die Öffentlichkeit gelangte. In ihr erklingen Rassismus und Mussolinis Kriegsabenteuer, in das sich der "Duce" schon lange vor 1939 auf dem afrikanischen Kontinent gestürzt hatte.