Behindert und aussortiert
Info, Gesellschaft + Soziales • 25.04.2021 • 08:00 - 08:30
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Originaltitel
Behindert und aussortiert
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
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Behindert und aussortiert

30 Jahre nach der Wende und 10 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention schreitet die Inklusion vielerorts voran. Doch das war über viele Jahrzehnte nicht der Fall, weder in Ost noch in West. Dieser Film gibt Einblicke in eine Zeit, in der Menschen mit Behinderung oft im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung lebten. Einer davon ist Klaus Brünjes aus Rotenburg in Niedersachsen. 1963 kam er mit fünf Jahren als "Krüppel" in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission, eine der größten Heil- und Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen. Seine Eltern konnten sich nicht um ihn kümmern. Er bekam Kinderlähmung und war stark gehbehindert: "Niemand wollte mich haben. Aufgrund meiner Behinderung durfte ich nicht im normalen Kinderheim bleiben.", so Klaus Brünjes. Als Kind wurde er in dem Bereich für schwer geistig behinderte Menschen untergebracht und durfte keine normale Schule besuchen. Tristesse und Gewalt gehörten zum Alltag vieler Bewohner. Er selbst, so berichtet Klaus Brünjes, habe sich im Heim untergeordnet und sei so einigermaßen davongekommen. Doch es gab Kollektivstrafen, gewalttätige Erzieher, Medikamentenmissbrauch und nahezu keine Möglichkeit auf individuelle Entfaltung. "Doch nicht alles war schlecht.", sagt Klaus Brünjes. "Es gab auch Menschen, die sich wirklich Mühe gegeben haben und gut zu uns waren." Klaus Brünjes schafft es später, seinen eigenen Weg zu gehen. Er hat seinen Schulabschluss nachgeholt, den Führerschein gemacht und sein eigenes Haus gebaut. Von den Rotenburger Werken, den ehemaligen Anstalten, hat er sich nicht abgewendet, sondern ist ihnen treu geblieben. Heute arbeitet er dort als Arbeitsgruppenleiter in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Außerdem betreut er ehrenamtlich das Bildarchiv der Rotenburger Werke und setzt sich mit Herz und Seele für die historische Aufarbeitung der Geschichte der Einrichtung ein. Auch Elke Kittelmann hat eine Kindheit erlebt, die sich viele Menschen nur schwer vorstellen können. Die heute 73-Jährige wurde schwerhörig geboren. Sie besuchte ab 1954 die Samuel-Heinicke-Schule in Leipzig, Deutschlands älteste Bildungseinrichtung für hörgeschädigte Menschen. Ihre Familie sah die damalige Schülerin nur in den Ferien. "Wir Mädchen im Internat bekamen von Anfang an einheitliche Heimkleidung. Bevor wir zur Schule gingen, wurden jedes Mal die Hände kontrolliert. Wehe, sie waren nicht sauber, so bekam ich auch mal Schläge auf die Hände. Es gab keinen Raum für meine Gefühle oder Befindlichkeiten.", so Elke Kittelmann. Als besonders belastend empfand sie das Verbot der Gebärden. Die schwerhörigen Schüler sollten damals der hörenden Welt angepasst werden. Unter fehlender Selbstbestimmung litt auch Madlen Leuschel aus Erlau in Sachsen. Sie kam 1981 mit einer Muskelerkrankung zur Welt. In ihrem Heimatort durfte sie aufgrund ihrer Behinderung nicht zur Schule gehen. Stattdessen schickte man sie auf die Körperbehindertenschule nach Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz und dort ins Internat. Nur am Wochenende konnte Madlen nach Hause. Für die damals 7-Jährige begann ein langer Leidensweg. Madlen hatte über Jahre starkes Heimweh mit Übelkeit und Erbrechen. Die Trennung war für die ganze Familie eine große Belastung. Anhand von drei Biografien zeigt die Reportage, wie das Leben von Menschen mit Behinderung in beiden deutschen Staaten ausgesehen hat. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Studien und Aussagen verdeutlicht der Film zudem gesellschaftliche und politische Umstände, sowie soziale Denk- und Handlungsweisen der damaligen Zeit.
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