Berlin 36

  • Lilli Richter (Karoline Herfurth) bei einer Sitzung im Atelier des Malers Max Hollander. Vergrößern
    Lilli Richter (Karoline Herfurth) bei einer Sitzung im Atelier des Malers Max Hollander.
  • Lilli Richter (Karoline Herfurth) absolviert in München eine Gesangs- und Tanzausbildung. Vergrößern
    Lilli Richter (Karoline Herfurth) absolviert in München eine Gesangs- und Tanzausbildung.
  • Gretel (Karoline Herfurth, links) zeigt Marie (Sebastian Urzendowsky) die richtige Hochsprungtechnik. Sigfrid Kulmbach unterbricht das Training. Vergrößern
    Gretel (Karoline Herfurth, links) zeigt Marie (Sebastian Urzendowsky) die richtige Hochsprungtechnik. Sigfrid Kulmbach unterbricht das Training.
    Fotoquelle: © NDR/Thomas Kost
  • rbb Fernsehen BERLIN '36, Spielfilm Deutschland 2009, am Mittwoch (03.07.13) um 22:15 Uhr.
Trainer Hans Waldmann (Axel Prahl) ermutigt Gretel (Karoline Herfurth) beim Wettkampf. Vergrößern
    rbb Fernsehen BERLIN '36, Spielfilm Deutschland 2009, am Mittwoch (03.07.13) um 22:15 Uhr. Trainer Hans Waldmann (Axel Prahl) ermutigt Gretel (Karoline Herfurth) beim Wettkampf.
    Fotoquelle: © rbb/NDR/Thomas Kost
Spielfilm, Drama
Berlin 36

Infos
Originaltitel
Berlin '36
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2009
Kinostart
Do., 10. September 2009
DVD-Start
Do., 11. März 2010
NDR
Do., 26.03.
23:30 - 01:05


Berlin, 1936: Die Amerikaner drohen, die Olympischen Spiele zu boykottieren, sollten im deutschen Olympiakader keine jüdischen Sportler vertreten sein. Aus diesem Grund wird die Jüdin Gretel Bergmann, die überragende Hochspringerin dieser Zeit, in das deutsche Trainingslager aufgenommen. In den Augen der Nazis darf Gretel aber auf keinen Fall gewinnen: Der Reichssportführer schickt gegen Gretel Bergmann die bis dahin unbekannte "Konkurrentin" Marie Ketteler ins Rennen um die Olympiaqualifikation, sie soll Gretel übertreffen. Doch die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass sich die beiden Außenseiterinnen und vermeintlichen Konkurrentinnen nach anfänglichen Problemen anfreunden. Am Ende muss sich zeigen, ob die beiden jungen Frauen gemeinsam gegen die Intrige der Nazis ankämpfen oder ob der sportliche Ehrgeiz überwiegt. Der Film "Berlin 36" basiert auf der wahren Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, die bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin als Favoritin für die Goldmedaille galt. Um einen möglichen Sieg Bergmanns jedoch zu verhindern, schickten die Nationalsozialisten Dora R., in Wahrheit ein Mann, als Konkurrentin gegen sie ins Rennen. Eine Auflistung der zehn besten deutschen Sportlerinnen aus dem olympischen Jahr 1936 enthält folgende Ergebnisse: Hochsprung: 1,60 R. (Bremen); 1,60 Bergmann (Stuttgart). Dora R. wird als Erste genannt, da Gretel Bergmann Jüdin ist. Die Geschichte, die erzählt werden soll, wird von ihren Aussagen bestätigt. Gretel Bergmann lebte bis zu ihrem Tod in den USA. Dora R. wurde 1935 ins Trainingslager des olympischen Kaders aufgenommen. Dort lernte sie Gretel Bergmann kennen, mit der sie bei jedem Lehrgang immer zu zweit in einem Zimmer wohnen musste. Den Verantwortlichen war bekannt, dass Dora eigentlich ein Mann war, und dass Christel Bergmann als Jüdin es nie wagen würde, die Wahrheit über ihre "Zimmerkameradin" publik zu machen. Dora R. duschte nie mit anderen Frauen, zog sich nie vor den anderen Sportlerinnen aus und rasierte sich heimlich. Zwischen Gretel Bergmann und Dora R. entstand, aus der Not geboren, eine tiefe und innige Freundschaft. Gretel Bergmann musste ihren Sportclub, den Ulmer Fußball-Verein, damals verlassen und wie alle anderen jüdischen Sportler einem rein jüdischen Club beitreten. Es gab immer wieder Versuche vom Reichsministerium für Sport und vom Deutschen Olympischen Komitee, Gretel Bergmann die Teilnahme an der Olympiade zu verweigern, da man einen Sieg von ihr befürchten musste. Nur durch Proteste der Amerikaner durfte sie weiterhin an den Trainingslagern teilnehmen. Vier Wochen vor der Olympiade gewann Bergmann vor Dora R. die deutsche Meisterschaft im Hochsprung und war damit offiziell für die Olympischen Spiele in Berlin qualifiziert. Als die amerikanische Equipe bereits nach Deutschland unterwegs war, wurde Bergmann die Teilnahme dann doch noch verweigert. Dora R. musste für Gretel Bergmann antreten. Obwohl sie als Favoritin galt, belegte sie dann aber doch nur den vierten Platz. Vermutlich wollte sie gar nicht siegen, um endlich aus ihrer Rolle aussteigen zu können. Man muss davon ausgehen, dass sie nicht nur unter dem ihr aufgezwungenen Geschlecht entsetzlich gelitten hat, sondern auch nach den Olympischen Spielen gezwungen wurde, weiterhin als Frau zur "Ehre Deutschlands" anzutreten, obwohl sie endlich als Mann leben wollte. Man versprach ihr, dass sie nach den Spielen die Möglichkeit eines neuen Lebens haben könnte. Doch die Sportführung forderte auch nach der Olympiade, dass Dora R. weiterhin den Hochsprung ausüben müsse. So gewann sie noch die deutsche Meisterschaft und nahm 1938 an den 1. Europameisterschaften in Wien teil, wo sie ebenfalls siegte. Wie erleichtert Dora R. danach aber über ihre Entlarvung als Mann gewesen sein muss, verzeichnet das Protokoll: "Ich bin froh, dass nun alles zum Klappen gekommen ist." Zwischen dem Reichsministerium für Sport, der Gestapo und dem Polizeirevier, auf dem Dora R. entlarvt wurde, kam es zu einem Konflikt: Die Polizisten, die offenbar Lob erwarteten, wurden wegen ihres Übereifers gemaßregelt. Gretel Bergmann ging 1936, im Jahr der "Nürnberger Rassengesetze", in die USA. Sie lebte mit ihrem Mann in New York. Sie verstarb 2017 im Alter von 103 Jahren. Dora R., so hieß es noch 1966, würde unter dem Namen Hermann in Bremen leben und als Kellner arbeiten. Danach verlor sich ihre Spur. Nach 30 Jahren konnte diese Spur wiederaufgenommen werden.

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Berlin '36" finden Sie hier.


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