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Kultur, Literatur
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NDR
Mi., 29.08.
00:00 - 00:45


In dem Fernsehmagazin, das bereits seit 1965, anfangs noch unter dem Namen "Die Neue Bibliothek", ausgestrahlt wird, werden literarische Neuerscheinungen vorgestellt.

Thema:

Eine Politikerin von Welt schlägt Alarm: "Faschismus. Eine Warnung", das aktuelle Buch von Madeleine Albright

Der Titel ihres neuen Buches ist kurz und prägnant: "Faschismus. Eine Warnung" (DuMont) heißt es. Es ist ganz im Sinne der Autorin, dass er aufschreckt und elektrisiert. Madeleine Albright, die Grande Dame der US-amerikanischen Außenpolitik, will ihre Leser aufrütteln. "Wenn das Buch alarmiert, ist es gut so." Albright erzählt Weltgeschichte, die sie selbst erlebt und gestaltet hat. Sie schlägt einen historischen Bogen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und kommt zu dem Schluss: Es gibt eine neue faschistische Gefahr. "Wir sollten uns des Angriffs auf die demokratischen Werte bewusst sein", schreibt sie. "Die Versuchung ist stark, die Augen zu verschließen und darauf zu hoffen, dass das Schlimmste einfach vorübergeht. Aber die Geschichte lehrt uns, wenn unsere Freiheit weiterbestehen soll, muss sie verteidigt werden, und wenn Lügen unterbunden werden sollen, muss man sie entlarven."

Abenteuer eines Sturmjägers: ein Bildband mit fantastischen Gewitterfotos

Starkregen, Gewitter, Überschwemmungen, der Sommer in diesem Jahr hat nicht nur gutes Wetter gebracht. Und Meteorologen befürchten, dass es in Zukunft häufiger extreme Wetterphänomene gibt. Doch die Gewitter haben auch ihre schönen Seiten, zeigt Bastian Werner. Wenn sich der Himmel verfinstert, wenn heftiger Wind aufkommt, wenn es hagelt oder blitzt, dann jagt er Stürmen hinterher und macht davon fantastische Fotos. Seit seiner Jugend interessiert er sich für alle Aspekte des Wetters. Wind, Nebel, Wolkenmeere. In Deutschland und Europa sucht er dramatische Stimmungen. Ein grandioser Bildband zeigt jetzt die schönsten und extremsten Fotos von Bastian Werner. "Sturmjäger: Wetterextremen in Deutschland auf der Spur" (GEO/Frederking & Thaler).

Ein wunderbarer Erzähler: Robert Seethaler als Gast im "Bücherjournal"

In Robert Seethalers neuem Roman "Das Feld" gibt es nicht nur einen Erzähler, sondern gleich 29 Menschen, die von ihrem Leben und ihrem Heimatort berichten. Das besondere daran: Sie sind tot, sprechen aus ihren Gräbern in einem kleinen Provinzfriedhof. Sie blicken auf ihr Leben zurück, berichten oft nüchtern von Erfahrungen, Enttäuschungen, Versäumnissen. Manchmal sind es nur kurze Kapitel, und doch geht es um die großen Themen des Lebens. Robert Seethaler, der mit "Ein ganzes Leben" einen Weltbestseller geschrieben hat, ist es mit seinem neuen Buch wieder gelungen, Kritiker und Publikum zu begeistern. "Das Feld" (Hanser Berlin) steht seit Wochen ganz oben auf der Bestsellerliste. Als Gast im "Bücherjournal" spricht er mit Julia Westlake über seine Bücher und seinen Erfolg.

Geniale Geschichten über Leidenschaft: das neue Buch von Frank Schulz

Er ist ein wunderbarer Stilist, ein Sprachvirtuose mit schrägem Humor, der einen genauen Blick für die Macken der Menschen hat: Frank Schulz aus dem kleinen Ort Hagen bei Stade, der lange in Hamburg lebte und nun wieder in Niedersachsen wohnt. Zwei große Romantrilogien hat er veröffentlicht: Die "Hagener Trilogie" und die Bücher über den eher glücklosen Privatdetektiv Onno Viets. In seinem neuen Buch "Anmut und Feigheit" (Galiani Berlin) veröffentlicht er nun Geschichten und Anekdoten, in denen es im näheren oder auch weiteren Sinne um Leidenschaften geht: Da gibt es Autofanatiker und Männer, die heimlich Frauen beobachten. Eine wohlhabende Frau mit Insektenphobie, die sich nicht sicher ist, ob sie nicht versehentlich ihren Mann umgebracht hat, oder alte Urlaubsbekanntschaften, die zur Plage werden. Es gibt viel Autobiografisches, zum Beispiel über das Altern oder über den Wandel seines Heimatdorfs. Die zentrale Geschichte ist zugleich die persönlichste: Schulz schreibt über den Tod seiner Mutter in einem Krankenhaus. Ein wütender Text und zugleich zärtliche Liebeserklärung. "Anmut und Feigheit" ist das "NDR Buch des Monats".

Superman und seine Erfinder: die tragische Geschichte hinter einem Welterfolg

Jedes Kind kennt Superman. Aber wer kennt die Geschichte seiner Erfinder? Vor 80 Jahren, im Sommer 1938, veröffentlichten Joe Shuster und Jerry Siegel in den USA den ersten Superman-Comic und begründeten damit ein ganzes Genre: Superhelden sind seitdem die verlässlichsten Weltretter der Popkultur. Die jungen Männer bekamen 130 Dollar, ihr Verleger schnappte sich alle Rechte und wurde steinreich. Vom lebenslangen Kampf der beiden um Geld und Anerkennung erzählt jetzt die Graphic Novel "Joe Shuster - Vater der Superhelden" (Carlsen Verlag) von Julian Voloj (Text) und Thomas Campi (Zeichnungen).

Die erschreckende Normalität des Judenhasses: ein Buch über die Novemberpogrome 1938

Im November 1938 wurden innerhalb weniger Tage 1.400 Synagogen, unzählige Beträume, Geschäfte und Wohnhäuser verwüstet oder zerstört. In über 1.000 Städten und Orten gab es Angriffe auf Juden, auch in kleinen Orten. Dort kannten sich Angreifer und Opfer oftmals, waren zuvor jahrelang Nachbarn gewesen. Am Beispiel von Guntersblum hat der Historiker, Journalist und Autor Sven Felix Kellerhoff ("'Mein Kampf'. Die Karriere eines deutschen Buches") rekonstruiert, wie es dazu kommen konnte. In seinem Buch "Ein ganz normales Pogrom. November 1938 in einem deutschen Dorf" (Klett-Cotta) erzählt er von den Schicksalen der Betroffenen, beschreibt, wie sich das Gift des Antisemitismus ausbreitete, und zeigt, dass die Vergangenheit den Ort bis heute nicht loslässt.

Düsteres Zukunftsszenario: der Roman "Troll" von Michal Hvorecký

Die slowakische Hauptstadt Bratislava ist geprägt von einem europäischen Geist, von Slowaken, Deutschen, Ungarn, Römern, Juden. Und doch geschah hier etwas, was im modernen Europa undenkbar schien: Im Februar wurden der Journalist Ján Kuciak und seine Freundin ermordet, weil er an einer Story über die Verflechtungen der slowakischen Regierung mit der italienischen Mafia recherchierte. Solche Journalisten wurden vom jüngst zurückgetretenen Ministerpräsidenten Robert Fico bis vor Kurzem noch als "schleimige Schlangen" oder "antislowakische Prostituierte" bezeichnet. Einer, der immer wieder mit solchen Hasskampagnen überzogen wurde, ist der Schriftsteller Michal Hvorecký. In seinem Roman "Troll" beschreibt er eine düstere Zukunft in einem abgeschotteten osteuropäischen Land. Nach einem Hybridkrieg steuern von Oligarchen hochbezahlte Internettrolle präzise die öffentliche Meinung. Die Trolle verbreiten wüste Lügen und Verleumdungen und bestimmen so über die Biografien der Landsleute. Eine Zukunftsvision, die leider viel mit der Gegenwart zu tun hat.



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SWR Denis Scheck.

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