Bücherjournal

Kultur, Literatur
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NDR
Mi., 24.10.
00:00 - 00:45


In dem Fernsehmagazin, das bereits seit 1965, anfangs noch unter dem Namen "Die Neue Bibliothek", ausgestrahlt wird, werden literarische Neuerscheinungen vorgestellt.

Thema:

Eine moderne norddeutsche Heimatautorin: Julia Westlake trifft Dörte Hansen

In ihrem Sensationserfolg "Altes Land" fand Dörte Hansen einen Ton, den es so in der Literatur über das ländliche Leben in Norddeutschland noch nicht gegeben hatte: mal rasend komisch, mal melancholisch und dabei immer liebevoll mit den Figuren. Kein Wunder, dass der Roman Jahresbestseller 2015 wurde. Jetzt ist endlich ihr neues Buch erschienen, und "Mittagsstunde" ist mindestens so gut wie der Vorgänger. Schauplatz ist diesmal der fiktive friesische Ort Brinkebüll, der wie viele norddeutsche Dörfer tiefgreifende Veränderungen erleben musste: Die Felder wurden begradigt, die Straßen geteert, der Tante-Emma-Laden und Bauernhöfe geschlossen. Im Mittelpunkt steht der Dorfkrug, der noch von einem alten Paar betrieben wird. Ihr Enkel wollte den Gasthof nicht übernehmen, aber nun muss er sich doch um die Großeltern und deren Familiengeschichte kümmern. "Mittagsstunde" (Penguin Verlag) ist das "NDR Buch des Monats".
"Bücherjournal"-Moderatorin Julia Westlake hat mit Dörte Hansen ein nordfriesisches Dorf besucht, das auch Brinkebüll sein könnte.

Der "Hundertjährige" ist zurück: eine Begegnung mit Schriftsteller Jonas Jonasson

Vor neun Jahren stieg ein Hundertjähriger aus dem Fenster und begab sich auf eine Reise, die Leser in aller Welt begeisterte. Das Buch von Jonas Jonasson wurde millionenfach verkauft, erfolgreich verfilmt. Nun gibt es die Fortsetzung: Der Held, Allan Karlsson, will seinen 101. Geburtstag mit einer Luftballonfahrt feiern. Aber das Fest fällt buchstäblich ins Wasser. Und der betagte Karlsson stürzt sich erneut in die große Weltpolitik: Er trifft den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un, Präsident Donald Trump und Angela Merkel. Wieder kämpft er gegen den Einsatz von Atomwaffen und für den Weltfrieden: "Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten" (C. Bertelsmann) ist inzwischen oben auf der Bestsellerliste. Julia Westlake trifft Schriftsteller Jonas Jonasson auf seiner Lesereise in Hamburg.

"Im Bann des Ozeans": ein Buch über Vielfalt und Bedrohung der Weltmeere

Über eine Milliarde Kubikkilometer Wasser enthalten die Ozeane dieser Welt. Der Planet, Erde ist, vom Weltraum aus gesehen, eine gigantische Badewanne. Die Meere faszinieren nicht nur Künstler und Poeten, sondern vor allem Meeresforscher und Biologen. Robert Hofrichter, Meeresbiologe, Naturschützer und Präsident der Meeresschutzorganisation MareMundi, ist als Dozent seit mehr als 30 Jahren auf und in den Meeren dieser Welt unterwegs. In seinem Buch "Im Bann des Ozeans" (Gütersloher Verlagshaus) berichtet er von seinen jahrelangen Forschungen, von seltsamen Lebensentwürfen und bizarren Sexpraktiken der Meeresweltbewohner. Er stellt freundliche Haie und bekiffte Delfine vor. Und er warnt vor der rasant voranschreitenden Zerstörung der Lebenswelten des Ozeans.

Der Mann hinter dem mareverlag: Nikolaus Gelpke als Gast im "Bücherjournal"

Ein Magazin, das sich nur mit Themen rund ums Meer beschäftigt, da waren viele am Anfang skeptisch. Aber Nikolaus Gelpke hat sich nicht beirren lassen. Und seine Kulturzeitschrift "mare" aus Hamburg ist seit über 20 Jahren erfolgreich. Seit 2001 verlegt Gelpke auch schöne Sachbücher und Romane. Jetzt hat er einen Klassiker des Nature Writing veröffentlicht: "Das Haus am Rand der Welt". Der US-amerikanische Schriftsteller Henry Beston (1888 - 1968) schreibt darin über sein Leben in einem kleinen Holzhaus am Meer, über Seevögel, Dünen und Wellen, den Rhythmus von Ebbe und Flut. Das Buch ist ursprünglich vor 90 Jahren erschienen, jetzt wurde es erstmals auf Deutsch übersetzt. Als Gast im "Bücherjournal" spricht Nikolaus Gelpke über sein Verlagsprogramm und über den besonderen Zauber der Naturbeschreibungen von Henry Beston.

Pop und Provokation: die französische Starautorin Virginie Despentes

Virginie Despentes schreibt über die Verlogenheit hinter den Fassaden der Reichen, außen bürgerlich, innen von Hass zerfressen: gegen Frauen, Fremde, den Islam. Sie ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Mit 17 wurde Virginie Despentes beim Trampen von drei Männern vergewaltigt. Ihre Scham, die Ohnmacht kann sie nicht vergessen. In ihrer feministischen Streitschrift "King Kong Theorie" formuliert sie daraus eine Anklage an die patriarchale Gesellschaft. Die Autorin will kein Opfer sein. Was sie die "Rekonstruktion" nach ihrer "Dekonstruktion" nennt: Sie jobbt als Prostituierte. Sie sagt, damit habe sie sich die Selbstbestimmung über ihren Körper zurückgeholt. Doch die Wut bleibt. Sie schrieb ihren ersten Roman "Baise-moi" ("F... mich"). Pornografisch und gewalttätig. Ein Skandalbuch, über Nacht wird die 25-Jährige damit zum Star. Sie schreibt so, dass es weh tut und beim Lesen trotzdem Spaß macht: bissig, boshaft und brillant. Gerade ist Teil 3 ihrer "Das Leben des Vernon Subutex"-Trilogie (Kiepenheuer & Witsch) erschienen: das Werk zur Stunde. Ein großer Roman über den Abstieg des ehemaligen Plattenhändlers Vernon Subutex und die dunklen Seiten der französischen Gesellschaft.

Geschichten über Verlust und Trauer: die Anthologie "Du fehlst"

Das Leben nach dem Tod eines geliebten Menschen ist nicht mehr das, was es vorher war. Ob Verkehrsunfall, Suizid, Krebs oder Demenz, der Verlust hat viele Gesichter. Wie sieht die Lücke aus, die ein Mensch hinterlässt? Und was löst der Tod bei den Hinterbliebenen aus? Wut, Schmerz, Depression, Verwandlung? 50 Kurzgeschichten verschiedenster Autorinnen und Autoren zu diesem Thema hat die Mediengestalterin und Autorin Petra Schaberger in einem Buch herausgegeben. Die meisten sind autobiografisch: Texte über Verlust und das ewige Tabuthema Tod. Titel der Kurzgeschichtensammlung: "Du fehlst" (Q5 Verlag). Das "Bücherjournal" spricht mit der Herausgeberin und mit zwei der Autorinnen über ihre ganz persönlichen Geschichten über Verlust und Trauer.

Persönliche Zeitreise: "Erfolgsroman" von Gerhard Henschel

Die eigene Geschichte als Stoff für nicht nur einen Roman. Nicht sonderlich originell, möchte man meinen. Erst recht nicht, wenn es sich schon um den achten Roman handelt. Und doch ist die literarische Selbstbeobachtung von Gerhard Henschel mehr als ein simples Tagebuch: Es ist eine spannende, leicht und genau erzählte Reise durch die jüngste Zeitgeschichte. Parallel dazu wird der Werdegang des Alter Ego von Henschel erzählt. "Erfolgsroman" (Hoffmann und Campe) ist Anfang der 1990er-Jahre angesiedelt, persönliche Empfindungen mischen sich mit tatsächlichen Ereignissen aus Kultur und Politik. Deutschland wird 1990 Fußballweltmeister, sonntags wird mit der Großmutter Malefiz gespielt. Ebenso wie die anderen sieben Familienromane basiert der "Erfolgsroman" auf einem Archiv aus eigenen Arbeiten, Briefwechseln und persönlichen Aufzeichnungen, etwa offenen Rechnungen auf Bierdeckeln. Das "Bücherjournal" ist bei Gerhard Henschel in seinem Kellerarchiv zu Gast und spricht mit ihm über das Leben im eigenen Werk.



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