Was bedeutet es, jemand anderen zu filmen? Was passiert beim Filmen mit den Menschen vor und hinter der Kamera? Eine nigerianische Hebamme versorgt ein Neugeborenes mit Sauerstoff, eine bosnische Familie lebt mit der traumatischen Erinnerung an die Massenvergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien, ein afghanisches Mädchen marschiert entschlossen zu ihrer Schule in Kabul, eine junge Frau wartet auf ihre Abtreibung in einer Klinik in Alabama. Diese und andere Szenen sind in Kirsten Johnsons Dokumentarfilm "Cameraperson" collageartig verwoben. Der Bildteppich entstand aus dem Rohmaterial bedeutender Dokumentarfilme des 20. Jahrhunderts, darunter "Citizenfour", "Happy Valley", "Fahrenheit 9/11", "The Oath" und "The Invisible War", zu denen Johnson die Bilder lieferte. Die Aufnahmen der Kamerafrau stammen somit aus unterschiedlichsten Ländern und Situationen. Ihre Erlebnisse haben sie tief geprägt und zu diesem persönlichen Filmtagebuch inspiriert. Johnson geht es vor allem um die Beziehung zwischen Bildermachern und ihren Subjekten, dabei reflektiert sie über ungefilterte Realität und gestaltete Erzählung. "Cameraperson" verbindet dokumentarische, autobiografische und ethische Untersuchungen: ein bewegender Einblick in die persönlichen Erfahrungen einer Kamerafrau sowie in dokumentarisches Arbeiten, dessen Auswirkung und Bedeutung. Ein atypisches und poetisches Werk.