ARD-Komödie mit Diana Amft als Betreiberin eines idyllischen, aber finanziell maroden Ostsee-Campingplatzes. Christoph M. Ohrt spielt den abgehalfterten Schlagerstar Camping-Kalle, der lieber Johnny Cash wäre und das "Hartzer"-Ressort retten soll.

Camping ist wieder im Trend. Schließlich will der gestresste Deutsche dringend entschleunigen – und zurück zum übersichtlichen Leben zwischen den Heringen. Auch die ARD-Komödie "Camping mit Herz" setzt auf diesen Trend. Und das, ohne den Marketing- und Zeitgeist-Aspekt des Ganzen außer Acht zu lassen.

Karl-Heinz Sollheim (Christoph M. Ohrt) sieht sich eigentlich als tiefgründiger Country-Grummler der Marke Johnny Cash. Die neuen Songs des alternden One-Hit-Wonders will jedoch keiner hören. Nur der Hit "Unter der Sonne" von Campingplatz-Kalle, eine Schlager-Hymne zur Freiluft-Kultur, wird zum Leidwesen des Künstlers in Dauerschleife gefordert und wiederholt. Nun hat Managerin Tess (Isabell Gerschke) Kalle per Preisausschreiben an einen Ostsee-Campingplatz auf dem Darß vertickt. Zum Leidwesen ihres Schützlings, der eigentlich nichts mehr hasst als Campen. Für Desiree (Diana Amft) und ihrer Mutter Martha (Nina Franoszek), die mit ihrer sympathischen, aber maroden Campinganlage kurz vor der Pleite stehen, scheint Kalles werbewirksamer Aufenthalt das große Los zu sein.

In der Tat: Viele Neubuchungen schneien herein, als bekannt wird, dass man den Schlagerstar hier ganz aus der Nähe erleben kann. Doch das Figuren-Ensemble wird nicht recht warm miteinander. Der übellaunige Kalle und die resolute Desiree verstehen sich überhaupt nicht. Und Mutter Martha verheimlicht der Juniorchefin ein wichtiges Detail: Das Preisausschreiben gewannen eigentlich nicht sie, sondern der namensgleiche Camping-Platz von Desirees Ex-Mann (Peter Schneider), der ein strahlend luxuriöses Camping-Resort ein paar Strandmeter weiter betreibt.

Hartz IV-Camping versus Glamping

Eigentlich ist die Idee, mit der das Drehbuch von Andy Cremer ("Hauptstadtrevier") und Josh Broecker (auch Regie, "Eltern allein zu Haus") aufwartet, gar nicht so übel. Auf der einen Seite: der Campingplatz der "Guten". Desiree und Anne lassen auf ihrem altmodischen, aber ostseeidyllischen Grundstück ohne WLAN und mit üblem Telefonnetz kostenlos Menschen wohnen, die ihr Zuhause und den Job verloren haben. Hier rücken jene zusammen, denen das Schicksal übel mitspielte. Blöd nur, dass Camping-Kalle, Held der kleinen Leute, selbst ein ziemlicher Stinkstiefel ist. Aber, man ahnt es als erfahrener Komödien-Gucker, natürlich ist das einer mit Potenzial für den richtigen Weg. Auf der anderen Seite: Ein nach allen Regeln moderner Betriebswirtschaft und Marketing-Tricks geführtes "Glamping"-Paradies. Desirees fieser Ex-Mann Werner will Camping-Kalle für sich und in einen schicken Wohnwagen verpflanzen. Inmitten von Luxus-Campern, deren Longdrinkgläser an ihren Partylippen festgewachsen scheinen.

Schön auch die Idee, den abgehalfterten Schlagerstar wider Willen mit dem ein wenig in Vergessenheit geratenen RTL-Serien-Komödianten Christoph M. Ohrt ("Edel & Starck") zu besetzen, der sein Dilemma zwischen Schlagerschein und trister Wirklichkeit wirklich überzeugend spielt. Diana Amft, die seit ihrer Babypause auch nicht mehr ganz so präsent im TV scheint wie noch vor einigen Jahren, gibt den Widerpart des Odd-Couple-Spiels auf dem Darß. Leider ist die Handlung von "Camping mit Herz" aber auch reichlich vorhersehbar, weswegen man als Zuschauer eher abwartet, bis es soweit kommt, wie es kommen muss: Der Schlagerstar sollte geläutert werden, die taffe Campingplatz-Besitzerin beim Spiel gegen die bösen Mächte des Kapitalismus irgendwann obsiegen. Und wenn sie nicht abgebaut haben, dann campen sie noch heute.


Quelle: teleschau – der Mediendienst