Erratisch und geheimnisvoll ist die Millionenmetropole Los Angeles nachts. Ein Meer aus Lichtern - von Autos und Gebäuden - deutet darauf hin, dass die Stadt nie zur Ruhe kommt. Mit ihr ergeht es auch Max so, der in seinem Taxi unterwegs ist und sich im Gewirr der Strassen längst blind auskennt. Obwohl die Kundschaft nachts angenehmer ist, greift er schon einmal zur Postkarte mit einem Inselfoto, um aus einer stressigen Situation in Gedanken zu entfliehen. Keine Fluchtmöglichkeit gibt es jedoch, als der elegant gekleidete Geschäftsmann Vincent einsteigt und Max für die ganze Nacht buchen will. Die in Aussicht gestellten 600 Dollar sind zu verlockend - schliesslich ist Taxifahren für Max nur eine Übergangslösung. Eigentlich träumt er vom eigenen Limousinenservice. Als bei Vincents erstem Halt ein Mann auf das Taxidach knallt, dämmert es Max, dass der Geschäftsmann eine spezielle Art von Hausbesuchen macht: Er beseitigt Leute. Seine Opfer kennt Vincent nicht, weiss auch nicht, wieso jemand sie aus dem Weg haben will - das ist ihm egal. Weil die Tarnung des Auftragskillers aufgeflogen ist, zwingt er Max, ihn weiter zu seinen insgesamt fünf «Terminen» zu chauffieren. Immer wieder versucht Max, sich aus dieser misslichen Lage zu befreien; indem er Passanten auf sich aufmerksam macht oder sich Vincents Mappe greift und damit verschwindet. Aber irgendwie treffen die beiden unterschiedlichen Gestalten der Nacht immer wieder aufeinander, sind irgendwie aufeinander angewiesen. Ohne es zu merken, hat Max den schmalen Grat zwischen Opfer und Komplize längst überschritten. Dass Tom Cruise in «Collateral» einen Auftragskiller mimt und ein Taxifahrer nicht ahnt, dass er zu dessen Komplizen wird, ist weniger Pointe des Films als vielmehr Ausgangslage, mithilfe derer Regisseur Michael Mann verschiedene Lebensentwürfe aufeinanderprallen lässt. Taxifahrer Max kommt aus bescheidenen Verhältnissen und hofft, es durch hartes Arbeiten weiterzubringen. Bis es so weit ist, flieht er, wenn ihn seine Geduld gegenüber seinen Mitmenschen zu verlassen droht, in Tagträume. Ganz anders Vincent: Der gewissenlose Soziopath mordet auf Befehl, «bringt für andere Leute den Abfall vor die Tür» und schert sich nicht darum, welche Wunden er damit hinterlässt. Eingebettet ist dieser Schlagabtausch einerseits in das schäbige Innere eines Taxis, anderseits in die glitzernde Traummetropole Los Angeles bei Nacht. Dass Regisseur Mann diesen Ort, der wie eine Figur im Film agiert, mit High-Definition-Video gefilmt hat, macht einen Grossteil ihrer kühlen, geheimnisvollen Eleganz aus.