Um die Mitte der 70er Jahre, kaum ist die dunkle Zeit der Militärjunta vorbei, explodiert in Griechenland der Tourismus. In diesem Kontext tritt der "Kamaki" (wörtlich: "Harpune") auf den Plan. Der griechische Macho erscheint gezielt an den Orten mit den meisten Touristinnen. In einfachen Verhältnissen oder auf dem Lande aufgewachsen, folgt der Kamaki einem raffinierten Kleidungskodex, der sich an der damaligen Disco-Mode orientiert. Sein rudimentäres Englisch setzt er geschickt und äußerst selbstbewusst bei seiner Verführungsstrategie ein. Gerne prahlt er mit seinen zahlreichen ausländischen Eroberungen. Die Kamakis empfinden untereinander ein starkes Solidaritätsgefühl und unterwerfen sich einem gewissen Ehrenkodex. In der Hafenstadt Nafplion auf dem Peloponnes unterhielten sie sogar ein eigenes Syndikat. Während der 80er Jahre zieht es die Kamakis mit aller Macht nach Rhodos. Die Insel steht als Urlaubsziel bei skandinavischen, holländischen und deutschen Touristinnen ganz hoch im Kurs. Einheimische und Touristinnen treffen sich zumeist in den Diskotheken. Dort produzieren sich die Kamakis bevorzugt auf der Tanzfläche. Deswegen spielen Disco-Musik und -Ambiente auch eine zentrale Rolle in der Dokumentation von Nikos Mistriotis. Das Kamaki-Phänomen schwappt auf die Inseln Kreta, Mykonos, Kos und Rhodos über und hält sich dort zwei Jahrzehnte lang. In den 80er Jahren erlebt das Klischee des griechischen Don Juan seine Sternstunde in den Medien, es liefert den Stoff für Filme wie "Summer Lovers" (1982) oder "Shirley Valentine - Auf Wiedersehen, mein lieber Mann" (1989). Viele Urlauberinnen waren auf der Suche nach dem perfekten Lover, der ihre Sommerfantasien erfüllen sollte. Aber erstaunlicherweise gingen gerade auf der Insel Rhodos aus heißen Sommerflirts Tausende von binationalen Ehen hervor. Das führte wiederum zur Gründung der ersten internationalen Schule Griechenlands.