Das Meer der Anden - Menschen am Titicacasee

Die Kinder der Schilfinseln fahren mit dem Boot zur Schule. Vergrößern
Die Kinder der Schilfinseln fahren mit dem Boot zur Schule.
Fotoquelle: NDR/Manfred Uhlig
Natur+Reisen, Land und Leute
Das Meer der Anden - Menschen am Titicacasee

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2013
NDR
Do., 05.07.
15:15 - 16:00


Schneebedeckte Berggipfel spiegeln sich in dem fast 4.000 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Titicacasee, dem höchsten schiffbaren Binnensee der Welt. Ausgerechnet hier trainiert die bolivianische Marine für das alljährliche Fest, den "Tag des Meeres", das tatsächlich auf dem See gefeiert wird. Denn der Zugang zum Pazifik ging Bolivien vor über 130 Jahren im Krieg gegen Chile verloren. Seitdem ist der Titicacasee für die Bolivianer das "Ersatzmeer". Während am Ufer Lamas weiden, drillt Carla Padilla, Bootsmann bei der bolivianischen Marine, ihre angehenden Matrosen mitten in den Anden für den "Tag des Meeres" in der Kunst der Seefahrt. Die junge Frau war noch nie am echten Meer, aber für sie ist der Titicacasee wie der Ozean: "riesengroß und das Wasser ist sogar ein bisschen salzig." Der Film taucht ein in den Alltag der Menschen rund um den Titicacasee. Indianer wohnen auf schwimmenden Inseln aus Schilf, Schamanen bieten ihre Dienste an wie zur Inkazeit. Und aus ganz Südamerika strömen Pilger in den Wallfahrtsort Copacabana, um ihre Autos segnen zu lassen. Homar Lujano ist einer der Indianer, die traditionell auf dem Wasser leben. Alle zehn Tage muss er zusammen mit seiner Frau Gloria den schwimmenden Untergrund seiner Hütte erneuern, denn die künstliche Insel besteht ganz aus Schilf. Mit seinem Holzkahn mit Außenbordmotor versorgt Homar die schwimmende Gemeinde mit Lebensmitteln und Obst. Sein größter Abnehmer: die Schule. Hier toben die Kinder auf einem ebenfalls schwimmenden Schulhof. Dabei müssen sie aufpassen, dass sie durch das Schilf nicht ins eiskalte Wasser einsacken. Eugenia Paje lebt mit ihren zwei kleinen Kindern an Land. Als ihr Mann, der ein kleines Lkw-Unternehmen hatte, verstarb, setzte sie sich selbst ans Steuer der zwei schweren Lastwagen. Täglich muss sie den Titicacasee auf einer kippligen Holzfähre überqueren. Schon häufig sind die Fähren mitsamt ihrer Ladung gekentert. Doch trotz der tückischen Wellen: Sie freut sich über ihren neuen Job. Und ein Leben ohne den Titicacasee könnte sie sich nicht vorstellen. Sie liebt ihr "Meer der Anden". Die Biologin Veronica Flores hat eine Leidenschaft: Sie erforscht den TiticacaseeRiesenfrosch. Dazu muss sie auf den Grund des eiskalten Sees tauchen. Gar nicht so leicht, denn wegen der dünnen Luft zählt jeder Meter unter Wasser doppelt. Wegen der vielen nicht markierten Fischernetze wagt sie sich nur in Begleitung erfahrener Marinetaucher in den See. Das NDR Team begleitet sie auf einem ihrer gefährlichen Tauchgänge. Auch Autofahrer am Titicacasee leben gefährlich: Bezogen auf die Bevölkerung gibt es in Bolivien im Straßenverkehr 20-mal mehr Unfalltote als in Deutschland. Abhilfe schaffen soll Franziskanerpater Renée Vargas. Gegen eine kleine Spende segnet er die Autos der Pilger, die am Wochenende in seine Kirche kommen. Seine Säulenheilige, die heilige Jungfrau von Copacabana, ist nämlich die Schutzpatronin der Autofahrer. Einen TÜV hingegen gibt es nicht. Zacharias Callisaya versteht sich ebenfalls auf höhere Mächte: Der Schamane hält den Kontakt zur Pachamama, der Urmutter der Indianer. Das Filmteam ist dabei, wie er im Auftrag eines Fischers eine Opferzeremonie abhält. Für ihn und die Einwohner der Mondinsel eine Premiere: Noch nie haben sie ein Kamerateam bei ihrem geheimen Ritual zuschauen lassen.


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