Das System Jegge

  • Ferienfoto aus dem bernischen Turbach - Dort kam es laut Opfern zu sexuellem Missbrauch Vergrößern
    Ferienfoto aus dem bernischen Turbach - Dort kam es laut Opfern zu sexuellem Missbrauch
    Fotoquelle: ZDF/SRF
  • Opfer und Buchautor Markus Zangger - Er sagt, der sexuelle Missbrauch habe 15 Jahre gedauert Vergrößern
    Opfer und Buchautor Markus Zangger - Er sagt, der sexuelle Missbrauch habe 15 Jahre gedauert
    Fotoquelle: ZDF/SRF
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    Missbrauchsopfer Andreas. Er kam im Alter von 15 Jahren in Jegges Sonderklasse
    Fotoquelle: ZDF/SRF
  • Opfer und Buchautor Markus Zangger Vergrößern
    Opfer und Buchautor Markus Zangger
    Fotoquelle: ZDF/SRF
  • Konfrontation des Opfers mit früheren Aussagen von Jürg Jegge Vergrößern
    Konfrontation des Opfers mit früheren Aussagen von Jürg Jegge
    Fotoquelle: ZDF/SRF
Report, Dokumentation
Das System Jegge

Infos
Produktionsland
CH
Produktionsdatum
2017
3sat
Mi., 26.09.
20:15 - 21:05
Missbrauch im Schatten der Reformpädagogik


Sein Fall war tief: vom gefeierten "Lehrer der Nation" zum Geächteten. Der Schweizer Reformpädagoge Jürg Jegge gab 2017 zu, mehrere Schüler sexuell missbraucht zu haben. Die Dokumentation "Das System Jegge" zeigt, wie der ehemalige Starpädagoge ein geschlossenes System schuf, das bis heute durch Schweigen dominiert wird. Im Zentrum des Films stehen die Missbrauchsopfer. Nur wenige wagen den Gang an die Öffentlichkeit. Die Männer, heute in den 50ern, erinnern sich, wie Jegge ihnen die Zuwendung gab, die sie sonst nicht bekamen. Wie er den sexuellen Missbrauch als Therapie ausgab, um einen "besseren Menschen" aus ihnen zu machen. Wie er Abtrünnigen drohte, dass sie ohne seine Hilfe abstürzen würden. Viele dieser Opfer waren jahrzehntelang von Jürg Jegge abhängig, nicht nur sexuell. "Armseligkeit des Milieus", "Unordnung", "fragwürdige Unverbindlichkeit auf alles, was Lernen anbelangt": Die Qualifikation eines gefeierten Reformpädagogen stellt man sich anders vor. Wie ein roter Faden zieht sich die Kritik der Schulpfleger durch die Karriere von Jürg Jegge. Allein der Standort seiner Sonderschule war eine Provokation: ein Bauernhof. Schon früh rankten sich Gerüchte um den sonderbaren Lehrer, der Schüler auf Reisen nach Wien und mit zu sich nach Hause nahm. Aber niemand sagte etwas. Alle, Primarlehrer, Schulpfleger und Eltern, schienen froh, dass sich jemand der schwierigen Kinder und Jugendlichen annahm. Die Recherchen für den Film reichen weit zurück und zeichnen die Karriere des "Lehrers der Nation" mit den antiautoritären Ideen nach: von Jürg Jegges Zeit als Sonderschullehrer in den 1970er-Jahren im zürcherischen Embrach über den kantonalen Schulversuch "Schule in Kleingruppen" anfangs der 1980er-Jahre bis hin zur Leitung der geschützten Lehrstätte Stiftung Märtplatz. Die Berichte über den Zürcher Schulversuch - ausgerechnet vom reformfeindlichen Regierungsrat Alfred Gilgen bewilligt - lassen tief blicken: Vom "intimen Umgang Lehrer - einzelner Schüler" ist dort die Rede, von "intensiven Einzelbeziehungen". Mit seiner Auffassung einer Schule, in der die Nähe zum Kind wichtiger sei als der Unterricht, und die weder Noten, noch Lehrpläne und -ziele kennt, gehörte Jürg Jegge zu den radikalsten Reformpädagogen seiner Zeit. Redaktionshinweis: Die Dokumentation "Das System Jegge" ist der erste von vier Programmbeiträgen, in denen sich 3sat einen Abend lang mit dem Thema "Missbrauch" befasst. Am Donnerstag, 27. September, folgen ab 20.15 Uhr im Rahmen von "Wissenschaft am Donnerstag" die Dokumentation "Wenn Eltern ausrasten" und die Gesprächssendung "scobel: Psychische Gewalt".


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