"Sobald man anfängt, über etwas Vergangenes oder über Verstorbene zu schreiben, leistet man die Arbeit eines Bestatters. Insofern sehe ich meine Aufgabe darin, zu versuchen, das Leben verstorbener Menschen zurückzuholen", sagt der französische Künstler Christian Boltanski über seine Arbeit. In seinen Installationen in der Völklinger Hütte nähert er sich dem Thema Zwangsarbeit inhaltlich, aber auch emotional. Denn in dem heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Eisen- und Stahlwerk im Saarland waren während der NS-Herrschaft mehr als 10.000 Zwangsarbeiter beschäftigt. Der größte Teil von ihnen waren französische, italienische und russische Kriegsgefangene oder aus der damaligen Sowjetunion verschleppte russische und ukrainische Zivilpersonen. Mehr als 250 ausländische Arbeitskräfte, in der Mehrheit Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, starben. Für sie hat Boltanski Erinnerungsräume geschaffen - in der Überzeugung, "dass jede Person einzigartig und somit sehr wichtig ist".