Der kantige neue Heimatfilm erzählt von einem sehr mutigen Wirtschaftsexperiment eines einfachen Tirolers – und von der eiskalten Region der Mächtigen.

Ein Fernsehtermin, für den man sich extra noch einen Erinnerungszettel in die Bildschirmecke kleben sollte. Allzu viel Hoffnung, dass aufgeschlossenes Publikum einfach so über die deutsche TV-Premiere des sehenswerten Heimatfilms "Das Wunder von Wörgl" im BR-Spätprogramm stolpern könnte, dürfen sich Regie-Veteran Urs Egger und Drehbuchautor Thomas Reider nicht machen. Doch das Wachbleiben lohnt sich: Was der zweifache Grimme-Preisträger Egger in finsteren, latent bedrohlich wirkenden Bildern in Szene setzen ließ, ist ein dunkles, tristes Kapitel mitteleuropäischer Wirtschaftsgeschichte. Und doch ist es auch die Heldengeschichte eines mutigen kleinen Mannes – in der tragischen Variante.

Aber der Reihe nach: Mitten in der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gibt es keinen Kandidaten, der sich freiwillig zur Wahl für das Bürgermeisteramt in der kleinen Tiroler Gemeinde Wörgl aufstellen lässt. Also muss das Losglück entscheiden. Und es trifft mit dem kränklichen Lokführer Michael Unterguggenberger (Karl Markovics) einen Mann, der noch nie viel Aufhebens um sich gemacht hat.

Der Politiker wider Willen, den allerdings Pragmatismus und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn auszeichnen, muss sich etwas einfallen lassen, um die Gemeinde, die kurz vor dem Bankrott steht und in der Massenarbeitslosigkeit herrscht, wieder aufzurichten. Unterguggenbergers Idee: Er lässt sich eine neue Währung einfallen. So genanntes "Schwundgeld", das nur seinen Wert behält, wenn es sofort wieder in Umlauf gebracht wird. Schon bald zündet der eigenwillige Einfall: Die Gemeinde floriert wieder. Doch der Obrigkeit bleiben die lokalen Erfolge des Reformers nicht verborgen. Und Unterguggenberger wird gestutzt: Auf Betreiben der Mächtigen in der österreichischen Nationalbank wird er entmachtet und ins Gefängnis gesteckt.

Der vom BR, dem ORF, SRF und ARTE gemeinsam produzierte moderne Heimatfilm im historischen Gewand greift Reform-Ansätze auf, die auch heute immer wieder als Auswege aus einer überhitzten globalisierten Wirtschaft ausprobiert werden. So gibt es Regionalwährungen wie den "Waldviertler" oder den "Chiemgauer", die im Regionalen durchaus gut funktionieren. Im Anschluss an den fiktionalen 90-Minütiger werden solche Ideen auch in der Dokumentation "Der Geldmacher" ab 23.30 Uhr beleuchtet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst