Es ist bitterkalt im Salzburgischen an diesem Heiligabend im Jahr 1818. Der junge Pfarrgehilfe Joseph Mohr hat gerade eine arme Familie in einem abgelegenen Bauernhaus besucht und ihr seinen Segen gespendet. Mohr weiß, wie es ist, unter ärmlichen Verhältnissen aufzuwachsen. Er selbst wurde als uneheliches Kind geboren, und nur sein musikalisches Talent ermöglichte ihm eine höhere Schulausbildung und schließlich das Theologiestudium. Dennoch ist der Hilfspfarrer Gott dankbar für dieses Leben, selbst in dieser stillen Nacht. Zuhause in Oberndorf fasst Mohr seine Gedanken in einem Gedicht zusammen. Wenig später zeigt Mohr die Textzeilen seinem Freund, dem Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber. Er soll doch bitte eine Melodie dazu komponieren, meint Mohr, dann könnten sie das Lied ja noch während der Christmette singen. Leider ist die Kirchenorgel von St. Nikola kaputtgegangen, sei es aus Altersschwäche oder wegen der Kälte, deshalb holt Gruber (dargestellt von Franz Gruber, dem leiblichen Enkel des Komponisten) eine Gitarre hervor und beginnt zu klimpern. Auch wenn nicht alles der historischen Wahrheit entspricht, ist es doch eine schöne Geschichte, die zur Entstehung des Weihnachtsliedes "Stille Nacht, heilige Nacht" geführt haben soll. So jedenfalls erzählt sie der im damaligen Breslau geborene Schauspieler und Regisseur Hans Marr in seinem 1934 gedrehten Heimatfilm "Das unsterbliche Lied". Inzwischen weiß man mit Sicherheit, dass Joseph Mohr den Liedtext schon zwei Jahre vorher 1816 im Wallfahrtsort Mariapfarr geschrieben hatte. Uraufgeführt wurde der Klassiker aber tatsächlich in Oberndorf bei Salzburg. Von dort aus eroberte das Weihnachtslied die Welt, übersetzt in mehr als 300 Sprachen und Dialekte.