Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wollten sich die Menschen vor allem amüsieren, um die Schrecken des Krieges zu vergessen. In Music-Halls wie dem Moulin Rouge, dem Casino de Paris oder den Folies Bergère präsentierten Gaby Deslys, Mistinguett und Josephine Baker ihre verschwenderisch aufgemachten Revuen. Die federgeschmückten "Königinnen der Nacht" stehen für jenes flirrende Pariser Nachtleben und hedonistische Treiben, dem noch heute unzählige Touristen im Pariser Pigalle-Viertel nachzuspüren versuchen. Auch nach Ausbruch der Wirtschaftskrise ab 1929 wollte man in Paris nicht auf ausgelassenes Amüsement verzichten. Die Vergnügungen verlagerten sich in die Kabaretts, die einem erleseneren Publikum vorbehalten waren. In deren gediegener Atmosphäre zeigte sich auch die Emanzipation der Frauen, die Kurzhaarschnitte, Hosen und Krawatten trugen. Doch die 30er Jahre warfen bereits ihre Schatten voraus, und die nächtliche Vergnügungslust täuschte nur für kurze Zeit über die Angst vor einem erneuten Krieg hinweg. In legendären Etablissements wie dem "Boeuf sur le Toit", dem "Chaland qui passe" oder den "Borgias" fanden Marianne Oswald, Suzy Solidor, Lucienne Boyer, Cora Madou und Lys Gauty den perfekten Rahmen für ihre verstörend intimen Darbietungen, mit denen sie Tabus brachen. Sie wurden zu den unvergessenen weiblichen Stars eines zeitlos gewordenen Repertoires.