"Warum haben wir ein solches Konzept zugelassen?", fragt ein hochrangiger Audi-Ingenieur in einer internen E-Mail 2013 entsetzt. Gestoppt wird der Einsatz manipulierter Motorsoftware aber nicht. Und selbst als im September 2015 der Diesel-Betrug bei VW auffliegt, verkauft die VW-Tochter Audi weiter Fahrzeuge mit unzulässigen Abschalteinrichtungen. Ahnungslose Kunden erwerben noch bis Januar 2018 manipulierte Dieselautos, die plötzlich sehr viel weniger wert sind. Wer trägt die Verantwortung? Die Öffentlichkeit erfährt vom ganzen Ausmaß des mutmaßlichen Betrugs bis heute nur teilweise. Die Staatsanwaltschaft München II will noch in diesem Sommer Anklage erheben. Sie ermittelt gegen den ehemaligen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler und über zwanzig weitere Beschuldigte. Die Folgen des verschleppten Diesel-Skandals für Audi sind gravierend: Der Premium-Hersteller gilt als angeschlagen. Der neue Chef Bram Schot will den Umstieg auf Elektromobilität schaffen und Audi in die Zukunft führen, gleichzeitig muss er die Diesel-Krise bewältigen. Seine Strategie: ein rigides Sparprogramm. Innerhalb von vier Jahren will Audi 15 Milliarden Euro einsparen und Personal abbauen, weil Absatz und Gewinne sinken. Die Folgen spüren nicht nur Arbeitnehmer, sondern eine ganze Region.