Der Kraftakt

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    Manuela Renk, Nationalmannschaft Rhythmische Sportgymnastik
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    Ines Geipel, Vorsitzende Doping-Opfer-Hilfe
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    Dörte Thümmler, Turn-Weltmeisterin 1987
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Report, Dokumentation
Der Kraftakt

NDR
Mi., 31.10.
00:00 - 00:55


"Das Schlimmste ist, dass ich damals wie heute kein selbstbestimmtes Leben habe." Das sagt Dörte Thümmler, die vor gut 30 Jahren für die DDR Weltmeisterin am Stufenbarren wurde. Eigentlich wollte sie damals gar keinen Leistungssport machen, aber sie kam als Ausnahmetalent aus dem System nicht heraus. Heute ist sie schwer geschädigt, physisch wie psychisch. Sie ist ein anerkanntes Dopingopfer und lebt von einer kleinen Rente. Dörte Thümmler ist mit dieser Situation nicht allein. Dieser Dokumentarfilm begleitet vier ehemalige Spitzenturnerinnen und Sportgymnastinnen, denen es ähnlich ergangen ist. Den Rahmen für den Film bildet ein Wiedersehen in einer kleinen Küche. Dort versuchen sie, zunächst zögerlich, Worte für das zu finden, was ihre Kindheit war. Und für das, was der DDR-Leistungssport aus und mit ihnen gemacht hat. Es ist ein Kraftakt. Dabei geht es nicht nur um Gewalterfahrungen, sondern auch um den Verlust von Kindheit. "Eigentlich wollten wir doch Höhlen bauen", sagt Dörte Thümmler und ihr Gesicht spiegelt den Moment, in dem sie selbst die Wucht des Satzes begreift. Es sind die leisen Aussagen, die das System Leistungssport nicht nur in der ehemaligen DDR infrage stellen. An einer anderen Stelle führt eine schlichte Frage etwa zu einem absurd anmutenden Moment der Stille. Sie lautet: Habt ihr eigentlich mal Weihnachtsplätzchen gebacken? André Keil und Benjamin Unger ist ein Kammerspiel von hoher Aktualität und Intensität gelungen. Denn die Gewalt an jungen Sportlerinnen und Sportlern wird erst jetzt durch weltweite Recherchen thematisiert. Viele Betroffene können erst nach Jahrzehnten darüber sprechen, denn sie sind schwer traumatisiert. Die Protagonistinnen Susann Scheller, Manuela Renk, Esther Nicklas und Dörte Thümmler stehen stellvertretend für sehr viele Sportgeschädigte in Deutschland. Die Autoren recherchieren schon einige Jahre zu den Spätfolgen des politisch motivierten Leistungssports. Die intensiven Interviews mit den schwer geschädigten ehemaligen Sportlerinnen brachte auch sie an emotionale Grenzen. Die Dreharbeiten dauerten über ein Jahr. Auch weil die Protagonistinnen immer wieder Kraft brauchten, um Worte dafür zu finden, was ihre Kindheit war.


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