Deutschland-Saga

Unter der Herrschaft Ottos des Großen entwickelt sich das Reichsgebiet zu einer Art "Dachverband der Deutschsprachigen". Von Einheit und Nation kann jedoch noch lange nicht die Rede sein. Vergrößern
Unter der Herrschaft Ottos des Großen entwickelt sich das Reichsgebiet zu einer Art "Dachverband der Deutschsprachigen". Von Einheit und Nation kann jedoch noch lange nicht die Rede sein.
Fotoquelle: ZDF/Juliane Eirich
Report, Geschichte
Deutschland-Saga

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2014
ZDFneo
Do., 11.04.
03:50 - 04:35
Was uns eint


Die Wiedervereinigung Deutschlands zählt ohne Übertreibung zu den historischen Glücksfällen der Geschichte: Zum ersten Mal wurde die deutsche Einheit Wirklichkeit, eine Premiere. Vor 1200 Jahren waren es andere, die sich um die Einheit im Herzen Europas bemühten. Christopher Clark reist nach Aachen, dem Lieblingsort Karls des Großen. Der Frankenherrscher war getrieben von der Idee, ein im christlichen Glauben geeintes Imperium zu errichten. Schritt für Schritt dehnte er seinen Herrschaftsraum nach Osten aus, verleibte seinem Reich auch die Gebiete der Bayern und der Sachsen ein und führte dafür grausame Kriege. Es gelang ihm erstmals, die germanischen Festlandsstämme unter einem gemeinsamen Dach zu vereinen - ob es ihnen gefiel oder nicht. Karl verlieh dem europäischen Vielvölkergebilde eine politische Struktur und schuf damit auch eine Grundlage für das spätere Reich der Deutschen. An dessen Anfang steht Otto I.: Unter seiner Herrschaft entwickelte sich das Reichsgebiet zu einer Art "Dachverband der Deutschsprachigen". Von deutscher Einheit und Nation konnte noch lange nicht die Rede sein. Heiliges Römisches Reich nannte sich das Imperium fortan, dessen Krone Deutsche Kaiser fast 900 Jahre lang trugen. Die Menschen in der Mitte Europas konnten sich als Angehörige dieses Reiches fühlen - oder auch einfach als Bayern, Sachsen, Franken oder Schwaben. Clarks Suche nach dem, was die Nation eint, führt ihn schließlich auf die Spur jenes Mannes, der den Deutschen eine gemeinsame Sprache gab: Martin Luther wurde zur Identifikationsfigur, zu einer Art Popstar seiner Zeit. Er wetterte gegen das päpstliche Rom und appellierte an nationale Gefühle. Doch Luthers Reformation spaltete zugleich. Der Glaubensstreit führte später in den Dreißigjährigen Krieg, der das Land verwüstete und Deutschland zum Schlachtfeld Europas machte. Anders als zum Beispiel den Briten und Franzosen gelang es den Deutschen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht, in einem geeinten Staat zu leben. Und ausgerechnet Napoleon katapultierte sie in ihr nationales Zeitalter, daran erinnert Christopher Clark am Brandenburger Tor, durch das auch der französische Kaiser marschierte. Der Versuch, auf deutschem Boden Einheit und Freiheit zu erreichen, scheiterte in der Revolution von 1848/49. Clark setzt dies in Beziehung zur deutschen Einigung 1871, die schließlich von oben kam, von den Mächtigen, aber auch Zustimmung beim Volk fand. Wenige Jahrzehnte nach der Staatsgründung setzten kaiserliche Eliten das Einigungswerk wieder aufs Spiel. 1914 begann das militärische Ringen um die Vorherrschaft in Europa, in das die Mächte, so Clark, wie Schlafwandler hineintaumelten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland von den Siegern geteilt. Nie wieder sollten von deutschem Boden Massenmord und Krieg ausgehen. Erst nach Jahrzehnten kam die Wiedervereinigung - in der Erkenntnis, dass Deutschland und Europa nur in enger Bindung zueinander bestehen können.

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