Die Bombe, Die Biedenkopfs und die Auferstehung Bad Schlemas

  • Kurt und Ingrid Biedenkopf. Vergrößern
    Kurt und Ingrid Biedenkopf.
    Fotoquelle: MDR/Antje Schneider
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    Kurt und Ingrid Biedenkopf.
    Fotoquelle: MDR/Antje Schneider
Report, Land und Leute
Die Bombe, Die Biedenkopfs und die Auferstehung Bad Schlemas

MDR
Di., 12.06.
20:45 - 21:15


Wo heute Kurgäste wandeln und in Heilquellen baden, stand Anfang der 1990er Jahre ein sichtlich erschrockener Kurt Biedenkopf. Der Ministerpräsident war zum ersten Mal in Schlema, welches damals noch "Tal des Todes" genannt wurde. Der kleine Ort im Erzgebirge gleicht zu dieser Zeit einer gespenstischen Wüste. Verstrahlte Halden, radiumhaltige Schlammteiche und kontaminierter Staub - überall. Schuld waren der Kalte Krieg und die Sowjets. Die entdeckten nach 1945 in Schlema eines der größten Uranvorkommen Europas und so wurde das Dorf unter der WISMUT zum Hauptlieferanten des begehrten Erzes, das die Sowjets für ihre Atombombe brauchten. 7.000 Kumpel starben an Lungenkrebs durch Radioaktivität. Wir weinten heimlich um die Heimat, die wir dabei zerstörten. 40 Jahre lang durchlöcherten wir den Untergrund, sagt der Schlemaer Konrad Barth. 1991 ist der Spuk vorbei. Schicht im Schacht. Die Sanierung und Rekultivierung des Todestals bekommen jetzt oberste Priorität. Kurt Biedenkopf setzt sich von Beginn an für die Region ein. Sieben Milliarden DM werden dafür vom Bund bereitgestellt. Das ist auch die Sternstunde des damaligen Schlemaer Bürgermeisters Konrad Barth. Der gelernte Bergmann und Querdenker will am Uran festhalten! Er will, dass hier - in seinem Heimatort - radioaktive Quellen sprudeln, denn in geringen Dosen ist das Teufelszeug heilsam. Genau das gab es hier schon einmal, in den 1920er und 1930er Jahren. Damals hatte das Radiumbad Oberschlema weltweit einen exzellenten Ruf bei Gichtgeplagten und Kreislaufgeschwächten und war der ganze Stolz der Erzgebirgler. Konrad Barth träumt von einer Neuauflage - ein eigenes Thermalbad in seinem Ort. Fast alle erklären ihn für komplett verrückt. Nur Kurt Biedenkopf und seine Frau Ingrid glauben ebenfalls an diese Idee und unterstützen sie. Die Suche nach neuen Quellen beginnt. Und ein Wunder wird wahr. Wo einst Schächte, Krater und verstrahlter Schlamm waren, sind heute mondäne Parkanlagen um das große Thermalbad entstanden und auch eine Kur-Promenade mit kleinen Geschäften und Hotels gibt es. Schlema ist seit 2005 ein anerkannter Kurort darf sich wieder Bad Schlema nennen. "Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Wie der Aufbau der Dresdner Frauenkirche. Das zeigt, dass Unvorstellbares möglich ist, wenn man nur will", sagt Kurt Biedenkopf. Der Film begleitet Konrad Barth und den ehemaligen Ministerpräsidenten Biedenkopf mit seiner Frau Ingrid durch das neue Bad Schlema und erzählt von der unglaublichen Wiederauferstehung des Ortes.


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