Die Geschichte des Essens - Dessert

In Venedig wurde im 17. Jahrhundert das erste Kaffeehaus Europas eröffnet. In Deutschland etablierte sich das starke Getränk erst spät. Vergrößern
In Venedig wurde im 17. Jahrhundert das erste Kaffeehaus Europas eröffnet. In Deutschland etablierte sich das starke Getränk erst spät.
Fotoquelle: ZDF/Axel Lischke
Report, Essen und Trinken
Die Geschichte des Essens - Dessert

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2015
ZDFneo
Mi., 25.07.
06:55 - 07:40


Warum essen wir, was essen wir, und wie war die Entwicklung? Sternekoch Christian Rach begibt sich auf eine Reise durch die Kulturgeschichte des Kochens und des Essens. Die Fähigkeit, Speisen auf dem Feuer zuzubereiten, ist so alt wie die Menschheit. Doch bis zu den Menüs, wie wir sie heute kennen, hat es Jahrtausende gedauert. Jede Zeit hatte ihre Rezepte, Zutaten und Techniken. Christian Rach stellt sie vor. Ernährungsexperten sind die Nachspeisen suspekt: Sie gelten als dekadent, unnötig und in größeren Mengen sogar als schädlich. Aber genau das ist es ja, was Süßspeisen so reizvoll macht. Christian Rach begibt sich auf die Reise durch die Geschichte von Kuchen und Pudding, Pralinen und Schokolade. Unsere Vorstellung von Nachtisch oder Dessert entwickelt sich erst im 17. Jahrhundert an den Höfen Frankreichs. Vorher isst man in gehobenen Kreisen Europas noch "Buffet-Stil": Alles kommt auf einmal auf den Tisch, süß und salzig werden nicht getrennt. Ein Großteil der Buffets ist ohnehin gesüßt, denn Zucker gilt als gesund. Man süßt auch Taubenragout, Nieren-Pudding, Austern oder Fisch. Dann wandelt sich der Geschmack. Man geht dazu über, Süßes und Salziges zu trennen. Und allmählich entwickelt sich ein eigener letzter, ausschließlich süßer Gang: unser Dessert. Seit die Kreuzritter im 12. Jahrhundert den Zucker aus dem Nahen Osten mitbrachten, ist er ein Prestigeobjekt, das anfangs sogar in Gold und Silber aufgewogen wird. Der industrielle Anbau von Zuckerrohr in der Karibik macht den Zucker preiswerter, doch er bleibt ein Zeichen von Wohlstand und Macht. Zuckerbäcker und Patissiere gelten in der Renaissance als Künstler und gestalten die Tafeln der Adligen mit ihren Zuckerkreationen. Die größten Zucker-Extravaganzen leistete sich die Handelsstadt Venedig. Prominente auswärtige Gäste und Herrscher werden mit süßen Festmahlen beeindruckt. Es gibt Zucker-Skulpturen von Päpsten, Königen, Kardinälen, Göttern und Tieren, und bisweilen werden ganze Gedecke täuschend echt aus Zucker geformt. Praktisch: Zerbrach ein Teller oder eine Gabel, konnte man die Reste gleich verspeisen. Pudding, die deutsche Süßspeise schlechthin, hat ihren Namen eigentlich von einer Fleischspeise, die schon die alten Griechen kannten. In Italien nannte man sie "Budino", in Frankreich "Boudain". Das bedeutete ursprünglich: "Wurstteig im Darm". Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Füllung des Darms süß. Und dann wurde der Darm durch ein Tuch oder eine Blechform ersetzt. Der Name Pudding ist geblieben. Christian Rach testet eines der ältesten erhaltenen Kuchenrezepte der Welt. Um etwa 1400 vor Christus von den Sumerern in Keilschrift niedergeschrieben und durchaus schmackhaft. In Tirol versucht er sich als "Eisschnellläufer". Auch im alten Rom trank man schon eisgekühlte Getränke. Kaiser Nero liebte wohl gecrushtes Eis mit Sirup, den antiken Smoothie. Und er hatte gleich mehrere Sklaven abgestellt, ihm das begehrte Eis zu besorgen. Nicht nur der Kaiser, auch andere reiche Bürger, sogar Fischhändler verfügten über solche Läufer, die gepresste Schneeblöcke aus den nahe gelegenen Bergen und den Alpen in die Stadt brachten. Christian Rach geht auch der Frage nach, was es mit den "Kaffeepolizisten" auf sich hatte, die Friedrich der Große in den Straßen Preußens schnüffeln schickte, und warum Schokolade so lange als suspekt galt. Die Reihe berichtet Wissenswertes, Skurriles und Amüsantes aus den Küchen der Zeiten. Christian Rach erlebt selbst, was es hieß, ein steinzeitlicher, mittelalterlicher oder neuzeitlicher Koch zu sein. Bei manchem ist es schade, dass es in Vergessenheit geriet, anderes dagegen ist aus gutem Grund wieder vom Herd verbannt worden.


Werbepause? Zeit für Spielchen!

Das könnte Sie auch interessieren

arte Milchlaster in der Laiterie Saint-Père, Frankreich

Milch - Ein Glaubenskrieg

Report | 24.07.2018 | 11:45 - 12:50 Uhr
/500
Lesermeinung
SWR Mark Brownstein mit einer Stange Räuchertee.

Der Foodhunter in China

Report | 24.07.2018 | 15:15 - 16:00 Uhr
/500
Lesermeinung
SWR v.li. oben: Annette Aller, Magdalena Zelder, Maren Bornheimer-Schwalbach; v.li. unten: Anja Kurz, Jutta Kurz, Margarete Schwär.

Lecker aufs Land - Das war der Sommer 2017

Report | 25.07.2018 | 20:15 - 21:45 Uhr
3.27/5015
Lesermeinung
News
In einem Hotelzimmer in Russland zeigt Bill Kaulitz sich nachdenklich. Wegen seines androgynen Erscheinungsbildes wird er manchmal angefeindet und sogar bedroht.

In dem sehenswerten Band-Porträt "Hinter die Welt – Tokio Hotel" von Regisseur Oliver Schwabe geben …  Mehr

Mit dieser Schwanzflosse eines Riesenwals macht die Essex schlechte Erfahrungen.

Der zweimalige Oscar-Gewinner Ron Howard hat mit "Im Herzen der See" ein visuell mitreißendes Abente…  Mehr

Aufgrund der flachen Buchvorlage vermag in "Die Bestimmung - Allegiant" einfach keine rechte Spannung aufkommen.

Der dritte von insgesamt vier geplanten Teilen der "Die Bestimmung"-Reihe wirkt vermutlich nur auf d…  Mehr

Harry Hirsch (Otto Waalkes) hat "Dat Otto Huus" in Emden gefunden.

Ein deutscher Humor-Revolutionär wird 70 Jahre alt. Statt einer Gala gibt es – ähnlich wie schon zum…  Mehr

"Tatort: Taxi nach Leipzig". Die Kommissare Lindholm (Maria Furtwängler) und Klaus Borowski (Axel Milberg, Mitte) sind in den Fängen des Fahrers (Florian Bartholomäi).

Die Tatort-Kommissare Charlotte Lindholm und Klaus Borowski geraten in einem Taxi in eine lebensbedr…  Mehr