Elisabeth Heller (1914-2018), die Mutter von André Heller, wandelte sich von der Fabrikantengattin zur emanzipierten Frau. Der Film erzählt ihre abenteuerliche Lebensgeschichte. Elisabeth Heller wächst in der großbürgerlichen Villa in Wien-Hietzing auf. Dort geht die Künstler-Bohème ein und aus: Karl Kraus, Peter Altenberg, Hermann Bahr, Alma Mahler. Elisabeth hat größte finanzielle, kaum aber emotionale Sicherheit. Sie hat wechselnde Väter, wenig Nähe zur Mutter. Mit 19 Jahren heiratet die betörende Schönheit Elisabeth einen doppelt so alten Mann. Mit ihm wiederholt sie ihre Kindheitstraumata. "Eine Heller arbeitet nicht", antwortet der Zuckerlfabrikant seiner Gattin, als diese einen Beruf ergreifen will. Sie fügt sich, bekommt einen Sohn - Fritz. Wieder lebt sie in Reichtum mit Personal. Wieder hat sie eine starke Persönlichkeit an ihrer Seite, für ihre Individualität ist in den vielen Zimmern der Wohnung kein Platz. Ihr Mann bleibt ihr fremd: Er ist jüdischer Herkunft und glühender Katholik, er ist gebildet und Austrofaschist. Wie schon als Kind flüchtet sie in die Welt der Geschichten, ins Theater und in die Literatur. Bis zu ihrem Tod liest Elisabeth Heller jeden Tag; sie ist die älteste Burgtheater-Abonnentin. Ihre musikalischen Vorlieben sind breit gefächert: von Richard Strauss bis Michael Jackson. "Na, und die Beatles und die Stones", ergänzt die damals 98-Jährige im Interview. 1938 werden die Zuckerlfabrik und das gesamte Privatvermögen der Hellers beschlagnahmt. Mit der Hilfe Mussolinis flieht Elisabeths Mann nach London. "Dass wir vielleicht mitkommen, davon war nie die Red'", regt sie sich noch heute auf. Elisabeth bleibt mit Sohn Fritz in Österreich. Sie ist Sekretärin für Hitlers Armee, später arbeitet sie in einem Lazarett für Gehirnverletzte. 1945 kehrt ihr Mann als Offizier mit der amerikanischen Befreiungsarmee zurück. Bald wird ihr Jüngster, Franz André, geboren. Doch die Ehe geht endgültig in die Brüche. Ihr Mann führt ein zweites Leben in Paris und ist nur drei Wochen im Jahr in Wien. Mit fast 50 probt Elisabeth Heller den Aufstand. Sie hat einen Geliebten und geht arbeiten: im noblen Modeatelier der Höchsmanns. Mit 80 verpfändet sie ihr Haus und ihren Schmuck, denn Sohn Franz André hat eine gute Idee, die er auf die Bühne bringen will. Sie fiebert mit jedem seiner Projekte mit und reist zu allen Premieren. Immer wieder kehrt der Film zu einem aufschlussreichen, bürgerlichen Ritual zurück, einer "Familienaufstellung" zu einem gemeinsamen Foto. Elisabeths Söhne und Enkelkinder gruppieren sich um die Mutter und Großmutter. Wer nimmt welchen Platz ein, wer drängt nach vorn, wer hält sich im Hintergrund? Fritz Heller, der älteste Sohn, eröffnet unerwartete Einblicke in das Familienleben. Als Unternehmer hat er die Geschäfte der Zuckerlfabrik noch geführt. Er hat auch den Krieg und die Verfolgung seines Vaters erlebt. Seine tiefe Liebe zur Mutter ist spürbar. Aber ebenso einiger Sprengstoff in der "Familien-Chemie". Während André Heller den Tod seines Vaters wie "das Verschwinden eines Albs" erlebte, war Fritz "erschüttert. Ich war wohl der Einzige in der Familie, der wirklich um ihn getrauert hat." Über die Beziehung zu seiner Mutter und zu seinem Bruder sagt Fritz Heller offen: "Es geht nur um ihn. Für mich hat sie sich nie so interessiert." Elisabeth Heller, eine Jahrhundertfrau, streitbare Persönlichkeit, bewunderte Grande Dame und Mutter, wich derart heftigen Konflikten bis zu ihrem Tod nicht aus. Elisabeth Heller starb am 7. August 2018, zwei Tage vor ihrem 104. Geburtstag, in Wien.