Am Fuße des Himalaja, an der pakistanischen Grenze zu Afghanistan, findet man die Überreste einer jahrhundertealten Kultur. Das Volk der Kalasha lebt in den drei Tälern Bumbaret, Birir und Rumbur, wo sie einen altindoeuropäischen polytheistischen Glauben im Einklang mit der Natur praktizieren und ihre eigene Sprache sprechen. Der Legende nach sind sie Nachkommen griechischer Truppen, die sich während der Feldzüge Alexanders des Großen im Hindukusch niedergelassen haben. Im Laufe der Geschichte wurde der Großteil der Kalasha zwangskonvertiert oder getötet. Inzwischen ist der Druck auf die Kultur der Kalasha subtiler geworden. Durch staatliche Schulen, den Tourismus und eine verbesserte Anbindung an die pakistanischen Großstädte hat sich der Islam in den einst abgeschiedenen Tälern der Kalasha immer weiter ausgebreitet und wird zunehmend sichtbar. Eine Konvertierung zum Islam scheint für viele junge Kalasha reizvoll und verspricht höhere Ausbildungsmöglichkeiten, bessere Arbeitsbedingungen und einen Ausweg aus der Armut. So sank ihre Zahl seit 1950 bis heute von 30.000 auf gerade einmal 3.800. Der Erhalt der Kultur lastet nun vor allem auf den Schultern der nächsten Kalasha-Generation. Wie sehen sie ihre Zukunft? Können sie ein modernes Leben führen und gleichzeitig an ihren - teilweise sehr aufwendigen - Traditionen festhalten? Oder werden der Tourismus und der Druck, sich an die muslimische Mehrheit anzupassen, dazu führen, dass die Kultur der Kalasha in den kommenden Jahren aussterben wird?