Die Versteigerer

  • Versteigerung Lörrach, Nov 1940 Vergrößern
    Versteigerung Lörrach, Nov 1940
    Fotoquelle: MDR/Stadtarchiv Lörrach
  • Stefanie Pfeffer aus Baisingen spielt auf einer Geige aus einer "Judenauktion". Rechts im Bild: Fredy Kahn, Sohn eines Überlebenden aus Baisingen. Vergrößern
    Stefanie Pfeffer aus Baisingen spielt auf einer Geige aus einer "Judenauktion". Rechts im Bild: Fredy Kahn, Sohn eines Überlebenden aus Baisingen.
    Fotoquelle: MDR/Hoferichter und Jacobs
  • 1. Versteigerungsakte aus dem Bestand von Hans Klemm, Auftraggeber ist die Gestapo Vergrößern
    1. Versteigerungsakte aus dem Bestand von Hans Klemm, Auftraggeber ist die Gestapo
    Fotoquelle: MDR/Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden
Report, Geschichte
Die Versteigerer

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MDR
Di., 13.11.
22:05 - 22:48
Profiteure des Holocaust


Neue Aktenfunde machen es möglich, das schrecklichste Kapitel der deutschen Geschichte aus einer vollkommen neuen Perspektive zu erzählen. Mit der Akribie eines deutschen Beamten hat der Versteigerer Hans Klemm in Leipzig jeden Verkauf ehemals jüdischen Eigentums zwischen 1933 und 1944 dokumentiert. In unzähligen Listen sind die von den ausreisenden und deportierten Juden zurückgelassenen Gegenstände erfasst: Betten und Schränke, Tische und Stühle, Bettwäsche, Kleidung, Musikinstrumente und Spielzeug. Jeder Gegenstand wird geschätzt und dann versteigert. Als Auftraggeber fungieren damals die Geheime Staatspolizei oder die Oberfinanzdirektion, die das Geld zugunsten der Reichskasse einziehen. Doch auch der Versteigerer selbst erzielt gewaltige Gewinne. 10 Prozent des Versteigerungserlöses stehen ihm zu. Die Gewinne von Hans Klemm steigen in der NS-Zeit von etwa 10.000 auf über 100.000 Reichsmark pro Jahr. Die Aktenfunde rund um den Leipziger Versteigerer Klemm waren für die beiden Filmemacher Jan N. Lorenzen und Michael Schönherr der Anlass, sich auf eine Reise durch Deutschland zu begeben. In mühseliger Recherche haben sie festgestellt: Überall, in jeder Stadt und in jedem kleinen Dorf, in dem Juden gelebt haben, sind deren Habseligkeiten meist unmittelbar nach deren Deportation unter den Hammer gekommen und dies wurde genau dokumentiert: Im mecklenburgischen Stavenhagen z.B. kümmert sich der Bürgermeister persönlich um den Verkauf der Hühner und Kaninchen des "Juden Jacobssohn". In Schwerin leuchtet Elektromeister Max Kuhlmann den Verkaufsraum aus. In Lörrach bannt ein Polizeifotograf auf Zelluloid, wie im Ort eine Art Schlussverkaufsstimmung entsteht, als die Gegenstände und Möbel der deportierten Juden direkt in den Innenhöfen der Häuser versteigert werden. Und in Düsseldorf freut sich die Stadtverwaltung, dass mit dem "frei Werden" der jüdischen Wohnungen nunmehr bombengeschädigten "Volksgenossen" ein Ersatz für ihre verbrannten Sachen geboten werden kann. Mit der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg steigt der Bedarf an Einrichtungsgegenständen ins Unermessliche. Die Möbel der deutschen Juden reichen nicht mehr aus. Ab 1942 werden auch die Wohnungen der französischen und holländischen Juden geplündert, die Möbel von Spediteuren nach Deutschland gebracht: Im niedersächsischen Delmenhorst müssen extra Arbeitskräfte angeworben werden, um den Verkauf zu bewältigen. Unzählige Zeitungsannoncen künden deutschlandweit von dem makabren Geschäft. Deutlich wird: geheim sind diese Vorgänge nicht. Oft werben die Anzeigen offen mit "Judensachen" oder Möbeln aus "nichtarischem Besitz". Jeder, der kaufte, wusste, die Deportierten kommen nicht zurück! Die Filmemacher haben unveröffentlichtes Filmmaterial gefunden und mit Zeitzeugen gesprochen, die in ihren Kellern Möbel oder andere Gegenstände aus ehemals jüdischem Besitz bewahren. Auf der Basis dieser Recherche lässt sich die Geschichte der "Judenmöbel" erzählen: Wer hat sie bekommen? Wer hat sich an ihnen bereichert? Und wo finden sich Dinge bis heute?


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