Die mörderische Welt der Ingrid Noll

Kultur, Literatur
Die mörderische Welt der Ingrid Noll

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2016
3sat
So., 05.08.
10:05 - 10:50


Bereits 55 Jahre ist sie alt, die Kinder sind gerade aus dem Haus, als Ingrid Noll, die Hausfrau aus Weinheim, beschließt, einen Krimi zu schreiben. Es ist ein Experiment. "Der Hahn ist tot" wird sofort zum Bestseller. Und Ingrid Noll schreibt weiter. Ein Jahr lang hat Sigrid Abel die deutsche "Miss Marple" - oder ist sie eher eine Patricia Highsmith? - mit der Kamera beobachtet. Zwischen Odenwald und Zürich, beruflich und privat. Man könnte Ingrid Noll für eine Figur aus einem ihrer Kriminalromane halten. Nur, dass bei ihr der Geduldsfaden noch nicht gerissen ist und sie auch noch nicht zu Messer oder Gift gegriffen hat, um sich unerwünschter Mitmenschen zu entledigen. Dennoch: "Es fasziniert mich", sagt Ingrid Noll, "wozu ganz durchschnittliche Menschen in bestimmten Situationen fähig sind." Wie ihre Erfinderin krempeln auch die Noll'schen Protagonistinnen - meist sind es vernachlässigte und liebeshungrige Frauen - ihr Leben nochmal um. Der erste Mord ist oft ein Versehen oder einfach nur eine gute Gelegenheit. Erwischen lassen sie sich nie. Das Personal für ihre Bücher begegnet Ingrid Noll im Traum oder im Supermarkt. "Manchmal fürchte ich, es wird knapp, wenn ich weiter so viele umbringe!" Ingrid Noll ist eine Lebenskünstlerin mit großem Humor. Aus ihrem Sprachfehler - sie lispelt - wurde ein Markenzeichen, aus ihrem Alter machte sie eine Tugend. "Greise sind unsichtbar", weiß sie aus Erfahrung. Das ist praktisch für eine Krimiautorin: Sie kann andere beobachten und belauschen, und keiner kriegt es mit. Augen und Ohren lassen nach, das Reisen wird beschwerlicher, aber das schützt die Welt noch lange nicht vor neuen Mordgelüsten. Und eines weiß Ingrid Noll jetzt schon: "Ruhe sanft" - das soll nie ihr letztendlicher Spruch sein.


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