Zwei Drittel der weltweit inhaftierten Frauen sind Mütter und beinahe drei Viertel dieser sind wiederum alleinerziehend. Was passiert also mit all den Kindern, die ihrer Mutter brutal beraubt werden? In vier Stationen ? Nepal, Québec, Bolivien und den USA ? gibt der Dokumentarfilm von Léa Pool diesen Kindern, den unschuldigen und oft vergessenen Opfern des Justizsystems, eine Stimme, lässt aber auch Eltern und Sozialarbeiter zu Wort kommen. Die resolute und herzliche Indira Ranamagar ist Heimleiterin der NGO Prisoners' Assistance Nepal, welche an mehreren Standorten im Land knapp 500 Kinder inhaftierter Eltern betreut. Mit einer kleinen Gruppe besucht sie das Frauengefängnis von Kathmandu: Es wird von Fortschritten in der Schule berichtet, Geschenke werden ausgetauscht ? doch Mütter und Kinder sind durch eine Gitterwand getrennt. Gelächter und Tränen folgen nah aufeinander. Das Verhalten der oft traumatisierten Kinder in ihrer Obhut sei ambivalent, so Indira ? sie reagieren aggressiv, kämpfen ums Essen, möchten zu ihren Müttern zurück und schätzen gleichzeitig die Sicherheit, die ihnen PA Nepal gibt. Ambivalent sind auch die Reaktionen der Schwestern Karolyne-Joanny, 9, und Audrey-Kim, 8, in Québec auf die einjährige Haftstrafe ihrer drogenabhängigen Mutter Marie-Nicole wegen Diebstahls. Die Ältere schimpft bei jedem Gespräch mit der Mutter, und träumt doch schon jetzt davon, was sie bei deren Entlassung im nächsten Sommer machen wird. Die Schwestern leben nun mit ihrem Vater und dessen neuer Partnerin in einer Patchworkfamilie mit insgesamt sieben Kindern. Ihr erstes Wiedersehen mit der Mutter findet nach fünf Monaten in der Sporthalle des Frauengefängnisses statt. Auch in Bolivien wird die familiäre Beziehung gepflegt ? etwa 2100 Kinder leben hier mit ihren Eltern im Gefängnis. Einer davon ist Isaac, 8, der tagsüber draussen die Schule und einen speziellen Hort für Kinder inhaftierter Eltern besucht und am Abend wieder zu seiner Mutter ins Gefängnis zurückkehrt. Für Isaac ist dies Alltag, er macht einen zufriedenen Eindruck. Solange die Kinder nicht von ihren Müttern getrennt werden, finde keine Traumatisierung statt, meint seine Hortleiterin. Alison, 14, wiederum hat zehn Jahre lang mit ihrer Mutter Jeanette hinter Gittern gelebt. Nun erschwert die Durchsetzung eines neuen Gesetzes das Zusammenleben von Eltern und Kindern im Gefängnis. Alison wohnt unter der Woche im Kinderheim von Cochabamba und sieht ihre Mutter nur noch am Wochenende. Sie schluchzt, wenn sie von dieser Trennung spricht. In den USA hat Andrea, 15, Mühe, mit der langjährigen Haftstrafe ihrer Mutter Suzette zurechtzukommen. Die Osborne Association in New York bietet einen Treffpunkt für Kinder von Inhaftierten ? und eine Videokonferenzschaltung ins Gefängnis, das «Televisiting Program». Auch wenn Suzette weit entfernt in der Nähe der kanadischen Grenze ihre Strafe verbüsst, kann Andrea sie hier auf der grossen Videowand sehen, mit ihr reden.