"Du bist nicht allein" ist ein engagiertes Drama über Stalking – und begeistert vor allem kurz vor Schluss.

"Du bist nicht allein" ist ein Film über Stalking – und ein Film, der fast ein bisschen spät kommt. Glücklicherweise, muss man ergänzen. Denn: Die polizeilich erfassten Stalking-Fälle nehmen von Jahr zu Jahr ab. Wurden der Polizei vor zehn Jahren noch fast 30.000 Fälle gemeldet, waren es 2017 noch rund 18.500. Wichtig ist das Thema dennoch, was man dem Film von Johannes Fabrick (Regie und Buch) bisweilen leider etwas zu deutlich anmerkt. Dass das Drama "Du bist nicht allein" dennoch kein papierraschelndes Belehrungsstück ist, daran hat – neben einem aufregenden Finale – vor allem eine ihren Anteil: Hauptdarstellerin Sophie von Kessel.

Die seit Kurzem 50-Jährige von Kessel, Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater, spielt Eva, eine Frau, die sich eben erst von ihrem Mann Roman (Fritz Karl) getrennt hat. Jetzt bewohnt die Lehrerin, deren Ehe offenbar kinderlos blieb, ein viel zu großes Haus in einem ruhigen Stadtviertel von München. Als sie einen Strauß Rosen vor ihrer Tür entdeckt, ist sie misstrauisch, als sie einen Brief mit Nacktfotos von sich bekommt, die offenbar heimlich durch die Vorhänge hindurch geschossen wurden, wird sie panisch. "Du bist nicht allein", steht auf einem Zettel, der den Aufnahmen beiliegt. Eva geht zur Polizei, zeigt den unbekannten Stalker an. Helfen könne man ihr kaum, bescheidet ihr die Beamtin.

Also nimmt Eva die Dinge selbst in die Hand, lässt eine Alarmanlage installieren und konfrontiert ihren Ex mit dem Vorwurf, er sei der Stalker. Auch ihrem Freund Tom (Marcus Mittermeier) traut sie bald nicht mehr über den Weg: Vor Kurzem erst war Tom wieder in ihrem Leben aufgetaucht, viele Jahre, nachdem er Eva für eine andere verlassen hatte. Ein Zufall?

Als Zuschauer bleibt man lange Zeit so hilflos wie Eva, rätselt mit ihr, wer hinter den anonymen Briefen und den Anrufen mit unterdrückter Nummer steckt. Bisweilen ertappt man sich auch dabei, Eva, das Opfer, insgeheim für verrückt zu erklären – ist sie vielleicht einfach nur paranoid?

Nach genau 75 Minuten nimmt "Du bist nicht allein" dann eine Wendung, die man so kaum für möglich gehalten hätte. Das Problem ist nur: Ein richtig guter Psycho-Thriller würde so beginnen, wie dieser ZDF-Film endet. So bleibt "Du bist nicht allein" nur einen kurzen Moment richtig spannend, um dann allzu schnell die offensichtliche Abzweigung in Richtung eines glücklichen Endes zu nehmen. Sophie von Kessel ist bei all dem allerdings eine Wucht – sie leidet, hofft, fleht, und der Zuschauer mit ihr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst