Ein Schüler verklagt den Staat - Nenad und das Recht auf Bildung

  • Anderthalb Jahre musste Nenad (3.v.l.) vor Gericht um sein Recht kämpfen. Ein ehemaliger Sonderschüler verklagt das Land NRW auf Schadensersatz wegen vorenthaltener Bildung. Vergrößern
    Anderthalb Jahre musste Nenad (3.v.l.) vor Gericht um sein Recht kämpfen. Ein ehemaliger Sonderschüler verklagt das Land NRW auf Schadensersatz wegen vorenthaltener Bildung.
    Fotoquelle: WDR
  • Nenad, ein ehemaliger Sonderschüler, verklagt das Land NRW auf Schadensersatz wegen vorenthaltener Bildung. Vergrößern
    Nenad, ein ehemaliger Sonderschüler, verklagt das Land NRW auf Schadensersatz wegen vorenthaltener Bildung.
    Fotoquelle: WDR
Report, Gesellschaft und Soziales
Ein Schüler verklagt den Staat - Nenad und das Recht auf Bildung

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2018
WDR
Mi., 14.11.
22:10 - 22:55


März 2017, Prozessbeginn am Kölner Landgericht: Der 22-jährige Nenad Mihailovic verklagt das Land Nordrhein-Westfalen. Elf Jahre lang ging Nenad auf eine Förderschule für Geistige Entwicklung in Köln, obwohl er gar nicht geistig behindert ist. Noch nie hat in Deutschland jemand versucht, für die Zeit auf einer Sonderschule zu klagen. Dieser einmalige Fall wirft viele Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ein normal begabtes Kind elf Jahre lang auf einer Schule für geistig Behinderte festgehalten wurde? Und ist Nenad vielleicht kein Einzelfall? Als Nenad eingeschult wurde, konnte er kein Deutsch. Er sprach nur Romanes, die Sprache der Roma. So wie seine Eltern, die vor Krieg und Elend aus Serbien nach Deutschland geflohen waren. Die Lehrer beauftragten damals einen Sonderpädagogen, den verängstigten Jungen, der in der Klasse kein Wort sagte, zu begutachten. Das Ergebnis: Nenad habe einen IQ von 59. Damit galt der damalige Erstklässler als geistig behindert. Er kam auf eine Förderschule für geistige Entwicklung. "Ich wusste immer, dass ich da nicht hingehöre", sagt Nenad heute. Er habe auf der Schule keine Freunde gehabt und sich ständig unterfordert gefühlt. Doch niemand erkannte das. Weder seine Lehrer noch seine Familie. Erst mit der Unterstützung des Kölner Vereins "mittendrin" konnte Nenad die Schule verlassen und den lang ersehnten Schulabschluss machen. Sein Fall stellt das System in Frage, wie der Förderbedarf eines Schulkindes ermittelt wird Sonderpädagogen sind die Experten für Kinder und Jugendliche, die geistig behindert, körperbehindert, verhaltensauffällig oder lernbehindert sind. Ihrer Expertise wird vertraut, wenn es um Schülerinnen und Schüler mit Handicaps geht. Wie konnten sich hochqualifizierte Experten im Fall Nenad so irren? Die Story-Autorinnen Cornelia Uebel und Gülseli Baur haben im Zuge ihrer Recherchen auch eine Dortmunder Schule für geistige Entwicklung besucht. Auch hier kennt man den Fall Nenad. Gemeinsam haben Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler beschlossen, den Alltag an ihrer Schule einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen.


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